Volume 
101 (1998) / N.S. 52
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band LII/ 101, Wien 1998, 45-49

Slowakische Volkskunde in der Zwischenkriegszeit

Milan Leščák

Der Autor zeichnet die Entwicklungslinien der slowakischenVolkskunde von ihren amateurhaften Anfängen im 19. Jahr-hundert über die Gründung erster Fachvereine und-verbändebis hin zur funktional- strukturalistisch geprägten- akade-mischen Etablierung in der Zwischenkriegszeit nach. Einge-gangen wird auch auf die politischen Umstände dieses Zeit-abschnittes, die das Fach in seiner Entwicklung wesentlichbeeinflußt und mitbestimmt haben.

Die Entwicklung der slowakischen Ethnographie war vor 1918 prak-tisch ausschließlich von dilettierenden Laien, von Liebhabern derslowakischen Volkskultur vorangetrieben worden- Interessensgrup-pen, deren Aktivitäten in der Matica slovenská, einem 1863 gegrün-deten- und 1875 von ungarischer Seite verbotenenen- Kulturverein,und in der 1893 gegründeten Musealen slowakischen Gesellschaft"( ,, Muzeálna slovenská spoločnost) koordiniert wurden. Die von die-sem Personenkreis geförderte Sammel- und Forschungstätigkeitspielt in der Geschichte der slowakischen Volkskunde eine nicht zuunterschätzende Rolle: Mit Hilfe einer großen Zahl freiwilliger Mit-arbeiter gelang es, vielfältiges Quellenmaterial, vor allem Erzählun-gen, Lieder und Sprichwörter, aufzubereiten eine zum Zeitpunktgrößten Magyarisierungsdruckes bewundernswerte Leistung.

Nach der Gründung der selbständigen Tschechoslowakischen Re-publik wurde allmählich die institutionelle Basis für eine systemati-sche Forschung in der Ethnographie geschaffen. Da es damals in derSlowakei keine professionell geschulten Fachleute auf diesem Gebietgab, spielten vorerst tschechische Wissenschaftler bei der akademi-schen Etablierung des Faches eine tragende Rolle. Sie beschränktenihre Forschungen allerdings nicht auf den Raum der Slowakei, son-dern dehnten sie etwa auch auf die Karpatenukraine aus. Es warenvor allem Folkloristen, die in dieser Zeit grundlegende Sammelwerke