Jahrgang 
101 (1998) / N.S. 52
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Gabriela Kiliánová

ÖZV LII/ 101

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sammlung, Jozef Škultéty, folgende Bemerkung: Den ersten sechs[ Märchen, Anm. d. Verf.] unterlegte ich einen tendenziösen Sinn[ gemeint ist ein slowakischer, nationaler Sinn, Anm. d. Verf.], eskam von selbst, aber ich hoffe, es ist nicht unpassend.( Prvým asiŠiestim( rozprávkam)... podlošil som tendečný význam, prišlo mito samo od seba, ale myslím, še to nie je nevhodné)."

Die Arbeit auf dem, volkstümlichen Feld" wurde sehr ernst ge-nommen und entsprechend der beinahe sakralisierten Auffassungüber nationale Kultur, über ein nationales Kulturerbe gewürdigt. Aufder anderen Seite können wir uns heute auch nur mehr schwer in dieGedanken und Gefühle unserer Vorgänger hineinversetzen, die vonder Angst vor dem Verlust der nationalen und kulturellen Identitätgeprägt waren.

Das Studium der Materialien von und über die vor hundert Jahrenim Fach tätigen Kollegen gibt einige Antworten, es stellt aber auchviele neue Fragen. Es dokumentiert nicht nur die damaligen Ansich-ten über die Ziele und Aufgaben der Volkskunde, in der den nationalenAktivitäten eine bedeutende Stellung beigemessen wurde, sonderngleichermaßen die Angst vor einem Verlust der eigenständigen natio-nalen Identität. So spiegelt diese Periode die unwahrscheinliche An-ziehungskraft des Konzepts der Nation als einer imaginierten Ge-meinschaft( Imagined Communities) 10, wie sie bis heute unter denMenschen starke Resonanz findet.

Ich will das spontane Zugehörigkeitsgefühl der Menschen zu einersozialen Gruppe, die wir Nation nennen, nicht unterschätzen oderabwerten. Andererseits mahnen uns die tragischen historischen Er-eignisse, die im 19. und 20. Jahrhundert unter den sakrosanktenVorzeichen von Nation und Nationalismus vor sich gegangensind, zu höchster Wachsamkeit.

Die nationale Identität ist nur eine der kollektiven Identitäten derMenschen. Verbunden mit einer positiven Einstellung zur eigenenKultur und zum eigenen Kulturerbe kann auch sie eine entsprechende

9 Šujanský, František: Korrespondenz. Brief No. C240. In: Matica slovenská,Martin, Archiv für Literatur und Kunst, 1892. Vgl. auch Kiliánová, Gabriela:František Šujanský a jeho folkloristická práca.( František Šujanský und seinefolkloristische Arbeit). In: Leščák, Milan( Hg.): K dejinám slovesnej folkloristi-ky. Bratislava 1996, S. 37-56.

10 Anderson, B.: Imagined Communities. Reflection on the Origins and Spread ofNationalism. 1991.