Zum 101. Jahrgang der ÖZV
ÖZV LII/ 101
die Entwicklung, ganz enstsprechend der politischen Nachkriegsent-faltung, ruhig und konsequent gestaltet.“
Die wechselnden Namen der Zeitschrift, die Zäsuren in der Folge derJahrgänge, die einander ablösenden Redaktionen- Michael Haberlandt( 1895–1936), Michael Haberlandt und Arthur Haberlandt( 1937-1938),Arthur Haberlandt( 1939–1944), Leopold Schmidt( 1947–1971), LeopoldSchmidt und Klaus Beit!( 1972-1982), Klaus Beit!( 1982), Klaus Beitl undFranz Grieshofer( 1983 ff.)-, die Verlagswechsel- Neue Serie: Österrei-chischer Bundesverlag für Unterricht, Wissenschaft und Kunst Wien( 1947-1955), Selbstverlag des Vereines für Volkskunde in Wien( 1956 ff.,wie schon die zweite Serie von 1919 bis 1944)-, die Erscheinungsweise-von anfänglich neun( 1895-1897), dann sechs( 1898-1918) und unregel-mäßig vier( 1919–1944) und schließlich nur zwei( 1947–1956) Ausgaben,seit 1957 jedoch grundsätzlich vier Heften im Jahr- und der durch diejeweiligen wirtschaftlichen Umstände bisweilen beträchtlich veränderteSeitenumfang der Jahrgänge zeugen davon, daß die vergangenen 100 Jahreder Zeitschrift beileibe nicht eine einzige Erfolgsstory bilden. Dennochkann sich die Zeitschrift über alle Wechselfälle der Vergangenheit hinwegauf eine solide Kontinuität berufen.
Kontinuität, wie wir heute meinen, auch in der inhaltlichen Aus-richtung der Zeitschrift! Aufgabe der vom Verein 1895 ins Lebengerufenen ,, Zeitschrift für österreichische Volkskunde“ war von An-fang an...die vergleichende Erforschung und Darstellung desVolksthums der Bewohner Österreichs“, wie es Michael Haberlandtin seinem im Heft 1 des I. Jahrgangs der Zeitschrift veröffentlichtenund häufig zitierten programmatischen Aufruf„ Zum Beginn“ ein-dringlich formuliert hat.³ Entsprechend dem Staatsverständnis derseinerzeitigen k.u.k. Monarchie verstand man unter den ,, BewohnernÖsterreichs" jene„ von den Karpathen bis zur Adria... in dem vonNatur und Geschichte gefügten Rahmen des Vaterlandes wohnendebunte Fülle von Völkerstämmen[...]: Germanen, Slaven und Roma-nen; die Hauptstämme der indo- europäischen Völkerfamilie setzen inverschiedener historischer Schichtung und nationalen Abschattungendie österreichische Bevölkerung zusammen.“ An der Schwelle derüberaus angeregten Zeitenwende des„ Wiens um 1900" ging es fürdas in Österreich nun erstmals definierte Wissenschaftsfach Volks-
2 Schmidt, Leopold: Zum achtzigsten Jahrgang. In: ÖZV XXXI/ 80, 1977, S. 1–2.3 Haberlandt, Michael): Zum Beginn! In: ZÖV I, 1895, S. 1-3.
4 Haberlandt( wie Anm. 3), S. 1.