1999, Heft 4
Literatur der Volkskunde
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Mitsakis konnte schon 1979 pomakische Varianten der Ballade von derArta- Brücke veröffentlichen, 1983 Akriten- Lieder in pomakischer Sprache,die die ältesten bekannten Versionen in griechischer Sprache wiedergeben).Doch ist die Erforschung des Gebietes aufgrund der Zurückgezogenheit, desMißtrauens und der Gegensätze zwischen türkischen und griechischenSchullehrern, der Propaganda und Einschüchterung nicht leicht. Auch dieStudentengruppe von Varvunis hatte hier große Hindernisse zu überwinden.Trotzdem kann sich die Feldstudie sehen lassen und gibt einen ungefährenEinblick in das Alltagsleben des Dorfes. Obwohl die Gemeinde nur einigeKilometer von der Kreishauptstadt Xanthi entfernt liegt, war die Isolationbis vor wenigen Jahren vorherrschend. Die Verwaltung des Dorfes erfolgtdurch einen Ältestenrat, der auch die Gerichtsbarkeit ausübt. Straßenbau,Schule und Erhaltung der Moschee leistet die Gemeinde aus eigenen Mitteln.Für die Unterbringung von Kreisbeamten der griechischen Behörden wur-den früher dem Hodscha Geldmittel zur Verfügung gestellt, denn es gab keinHotel im Dorf.
Die Studie von Varvunis ist systematisch aufgebaut: auf Prolog undEinleitung erfolgt eine Beschreibung der Region, eine kurze Geschichte derPomaken und die Kennzeichnung der eigenartigen Situation in den letztenJahrzehnten( S. 17 ff.). Sodann wird die Materialkultur untersucht( S. 23 ff.): Häuser und Höfe, Möbel und Gerät, Handwerk, Essen undTrinken, das Alltagsleben, Agrargebräuche, Viehhaltung. Schwieriger warenschon Teile des öffentlichen Lebens zu untersuchen( S. 33 ff.): nicht so sehrdie Demographie und ethnische Identität, die Verwaltung( Hodscha, Imam,Gemeinderat, Ältestenrat, Ausrufer), Gebrauchsrecht( eigene Gerichtsbar-keit durch den Ältestenrat), Ökonomie( eigenständige Finanzgebarung),auch nicht die Lebenslaufriten( Geburt, Beschneidung, Kindheit, Verlobung,Heirat, Tod, Begräbnis), wohl aber die Geschlechterbeziehung, Sexualität,das Leben im Haus, die Rolle der Frau. Im Rahmen der relativ mittellosentraditionellen Gesellschaft wird die Gastfreundschaft groß geschrieben, dienur in Privathäusern abgewickelt wird, ohne daß die Frau den Gast zuGesicht bekommt. Ein eigener Abschnitt geht auf die Schulorganisation,Bräuche und Feste ein. Ein dritter Abschnitt beschäftigt sich mit dem,, geistigen" Leben der Bewohner( S. 71 ff.): Bildungsgrad und Analphabe-tismus( S. Dreisprachigkeit, die Muttersprache wird nicht gelehrt), Volks-glaube und religiöses Verhalten, Mythen und Glaubensvorstellungen, Magieund die Zauberer, Ansichten über den Weltaufbau, Volksmeteorologie, Aber-glauben über Tiere und Pflanzen, Volksmedizin und Veterinärmedizin, An-gaben zur Sprache der Pomaken, Familiennamen und toponymica, Sprich-wörter, einige Märchen und Schwänke, Volkslieder, Grüße, Wünsche, Trink-sprüche, Schwüre, Verfluchungen, Vorzeichen usw. Dies ist alles im Original