1999, Heft 4
Chronik der Volkskunde
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Fotomaterial. Der chronologisch angeordnete Rundgang durch die Welt derzahlreichen christlichen und teils noch älteren Festtage bietet eine Fülle vonalten Vorstellungen, die von christlichen Traditionen aufgenommen undzum Teil überlagert- im bulgarischen Volksglauben verankert sind und inden Familien und Dörfern gepflegt werden. Neben den bei uns bekanntenFesten wie Ostern, Maria Himmelfahrt und Weihnachten präsentiert dieAusstellung Frühlingsbräuche wie„, Baba Marta“( mythologische Personi-fizierung des Frühlings und März) am 1. März und den Georgstag am 6. Mai,an dem Weihbrote gebacken, Lämmer geopfert, die Schafe zum ersten Malgemolken werden, wo getanzt und gesungen wird und die Menschen schau-kelnd versuchen, die Vorkommnisse des laufenden Jahres weiszusagen. Manlernt das ,, Regenmädchen“ kennen, das bei lang anhaltender Trockenheitreich geschmückt um Regen tanzt. Die Feiertage der Hl. Konstantin undHelena sowie von Johannes dem Täufer und dem Hl. Simeon werden mitden dazugehörenden Traditionen vorgestellt.
Als einzigen Brauch jüngeren Datums zeigt die Ausstellung den ,, Tag derRosen" am Petrustag, dem 29. Juni, der dem Kampf gegen die Tuberkulosegewidmet ist und dem städtischen Milieu entstammt. Am Vorabend desFeiertags werden Vorträge über die Krankheit und ihre Bekämpfung gehal-ten. Der Tag selbst beginnt mit einem Bittgebet in der Kirche, anschließendbilden Stadtoberhaupt, Offiziere, Rosenhändler und die übrigen Teilneh-mer/ innen eine Prozession durch die Stadt. Der Erlös aus dem den ganzenTag stattfindenden Rosenverkauf wird Krankenhäusern und Sanatorien zurUnterstützung von Tuberkulosekranken gewidmet. Dieser Brauch entstandum die Jahrhundertwende, wurde bis 1944 ausgeübt und lebt in den letztenJahren wieder auf.
Die ländlichen Bräuche haben ihren öffentlichen Charakter weitgehendverloren und finden fast ausschließlich in privatem Rahmen statt. Das Verbotder christlichen Religion zwischen 1944 und 1989 führte dazu, daß diemeisten Kalenderbräuche nur mehr in familiärem Kreis gefeiert wurden.Wachsende Landflucht und allgemeine demographische Veränderungen inden letzten Jahren trugen ebenfalls zum Rückgang bzw. gänzlichen Ver-schwinden der Bräuche bei.¹
Diese Ausstellung wurde in Kittsee auch zum Anlaß genommen, einbulgarisch- österreichisches Kolloquium abzuhalten, bei dem die Kon-taktnahme und Standortbestimmung der beiden Ethnologien im Vordergrundstanden. Am Sonntag, dem 10. Oktober 1999, trafen die Referent/ innenbeider Länder, fünf Gäste sowie die Mitarbeiter/ innen des EthnographischenMuseums zusammen.
Klaus Beitl eröffnete die Tagung mit der Vorstellung des Wissenschafts-und Museumsprojektes ,, Ethnographie ohne Grenzen“, das bereits in den