Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde102 (1999) / N.S. 53Paríková, Magdaléna: „Wende 1989–1999“ aus der Sicht der slowakisch-österreichischen Zusammenarbeit in der Ethnologie

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
„Wende 1989–1999“ aus der Sicht der slowakisch-österreichischen Zusammenarbeit in der Ethnologie
Einzelbild herunterladen
 
  

1999, Heft 4

Mitteilungen

523

jedoch direkte und regelmässige Begegnungen der Fachleute, die zumschöpferischen Denken anspornen, nicht ersetzen.

Ziel dieses Beitrages ist nicht Rückkehr zu Bitterkeit und Anklagen überdie Vergangenheit, aber ich möchte auch nicht verhehlen, welcher gesell-schaftspolitische Hintergrund zu jener Zeit bestimmend war, bevor sich nachdem Jahr 1989 Perspektiven und Möglichkeiten für die Entfaltung undPflege normaler wissenschaftlicher Kontakte eröffneten. Von allem Anfangan bestimmten jedoch nicht die Debatten und Reminiszenzen über dasVergangene die Szene, deren Atmosphäre unseren österreichischen Freun-den und Nachbarn durchaus vertraut war. Im Gegenteil, wir konzentriertenuns gleich zu Beginn auf konkrete Formen der Zusammenarbeit. Und aufSchritt und Tritt trafen wir auf aufrichtige und spontane Offenheit.

Sei es auf dem Boden der Universität und der akademischen Institutionen,der Museen, der wissenschaftlichen Gesellschaften, speziell der Slowaki-schen Ethnographischen Gesellschaft und des Vereins für Volkskunde, alsowo auch immer Raum für Begegnungen und inspirative wissenschaftlicheUnternehmungen geschaffen wurde. Regelmäßige Zusammenkünfte fandenvor allem mit den Mitarbeitern des Österreichischen Museums für Volks-kunde in Wien und des Ethnographischen Museums Schloß Kittsee, mitjenen des ehemaligen Instituts für Gegenwartsvolkskunde, sowie auch mitdem Institut für Volkskunde der Universität Wien statt. Dies war nicht nurder Initiative der Leiter dieser Institutionen zu danken, sondern im gleichenMaße auch deren einzelnen Mitarbeitern, wobei eine lange Liste von Namenanzuführen wäre. In diesen Institutionen hatten wir Gelegenheit, uns fach-lich auszutauschen und zu informieren, Literatur, Quellen, Archive zu studie-ren, um Versäumtes nachzuholen, vor allem was die wissenschaftlichen Publi-kationen- unerschwinglich für unsere Bibliotheken- betraf. Hilfe gab es auchin der Literaturbeschaffung für Universitätsarbeitsstellen, wodurch unser Be-stand an Büchern für den Studiengebrauch bereichert wurde. Die WienerKollegen vermittelten auch Kontakte zu anderen österreichischen und auslän-dischen Kollegen. Die stufenweise sich entwickelnde konkrete Zusammenar-beit bei wissenschaftlichen Projekten mündete auch in gemeinsame Publikatio-nen in deutscher Sprache, was gelegentlich zur Popularisierung von Trends inder slowakischen Ethnologie beitrug. Der Brückenschlag wurde seitens derslowakischen Ethnologen freundschaftlich erwidert, vor allem durch die Lei-tung des Institutes für Ethnologie SAV( Leščák, Ratica), des Lehrstuhls fürEthnologie an der Komenský Universität( Droppová) und durch die Leitung desSlowakischen Nationalmuseums. Die neue Situation der ,, offenen Türen", der,, straflosen und spontanen gegenseitigen Besuche, der freie Grenzübertritt,regten eine für beide Seiten förderliche Zusammenarbeit an. Dazu trug ingroßem Maße auch die materielle Hilfe seitens österreichischer offizieller