1999, Heft 4
Ordnungsdiskurse in den Kulturwissenschaften
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,, Das Prinzip der Ordnung verstellt und absorbiert Herrschaftsstruk-turen 94. I.-M. Greverus hat seinerzeit dazu klug angemerkt, daßsolcher Ideologiekritik ,, die Konzeption einer Idealordnung imma-nent ist“, von der andere dann im genannten„, Abschied" mehr oderweniger deutlich handelten. Daraufhin Leopold Schmidt vom Uni-versitäts- Katheder aus positiv zu zitieren, wagte vernehmlich erstzwanzig Jahre später wieder das Münchner ,, Studienskript Volkskun-de" von Helge Gerndt 1990( 31997)%. Er hat 1998 auf der Hochschul-lehrertagung der DGV in Wien ,, Zur Spezifik der Empirien“ einImpulsreferat über den erkenntnistheoretischen Problemansatz ge-halten: ,, Ordnungen. Wie man sich Distanz verschafft" 97.
K.-S. Kramer wurde seinerzeit beim Gemeinschaftsbegriff zupacken gesucht, indem Bausinger im Zusammenhang der Formulie-rung ,, Gemeinschaftsstrafe“ ,, als Volksrüge bei der Umkehrung derOrdnung im Hause, wenn der Mann sich von der Frau schlagen lieẞ"folgendes interpolierte: ,, Im Kontext bedeutet hier Ordnung, natürli-che Ordnung", weil sie auf den Begriff Gemeinschaft bezogen sei98.Kramer wies solche Interpretation mit guten Argumenten als Unter-stellung zurück, denn es gelte, Geschichtliches ,, aus seinen Bedin-gungen zu verstehen“, und da haben nun einmal ,, bestimmte Ord-nungsprinzipien bestimmte Epochen beherrscht“ und keineswegs,, natürliche" Ordnungen, sondern im vorliegenden Falle eine, diedem ,, Leitideal des patriarchalischen Hauswesens“ entstammte.Auch Kramer mußte nach damaliger Diskursordnung noch ein mora-lisches Bekenntnis hinzufügen: ,, Etwas aus seinen Bedingungen ver-stehen, heißt nicht, es billigen." 99
Schließlich listete Kramer auf, was die insgesamt ins Schußfeldder Ideologiekritik geratene sogenannte historische Volkskunde seit
Albrecht, Clemens u.a.( Hg.): Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik.Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule. Frankfurt am Main 1999.94 Bausinger( wie Anm. 89), S. 163.
95 Greverus( wie Anm. 81), S. 8.
96 Gerndt, Helge: Studienskript Volkskunde. Eine Handreichung für Studierende.3. aktualisierte Aufl.(= Münchner Beiträge zur Volkskunde 20). Münster u.a.1997, S. 78, unter den acht zitierten modernen Definitionen von Volkskunde.97 Gerndt, Helge: Ordnungen. Wie man sich Distanz verschafft. Workshop III aufder DGV- Hochschultagung am 1. und 2. Oktober 1998 in Wien unter demGeneralthema: ,, Dazwischen. Zur Spezifik der Empirien in der Volkskunde".
98 Bausinger( wie Anm. 89), S. 166.
99 Kramer( wie Anm. 90), S. 54.