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ÖZV LIII/ 102
mehr vom V.F.- Werk, Neues Leben' in größerem Maßstab weitergeführtwerden soll: Verwertung der Volkskunde für Volksbildung und soziale Für-sorge, Verknüpfung dieser Wissenschaft mit dem Leben“.36 Getragen warenderlei Zielsetzungen ,, von der jungen Generation[...] in bewußtem Gegen-satz zu einem langsamen musealen Erstarren gerade dieser lebensvollstenaller Wissenschaften" 37 eine Selbsteinschätzung Perkmanns, die in ver-schiedener Hinsicht ihre Berechtigung hat. Nicht nur im öffentlichkeitswirk-samen Einsatz des Rundfunks 38 als des damals modernsten Mediums hatPerkmann sich als innovativ erwiesen. Auch die von ihr gemeinsam mitRudolf Kriss, Leopold Schmidt und Alfred Karasek gegründete, 1936 offi-ziell institutionalisierte³ und bis 1937 von Perkmann organisatorisch gelei-tete ,, Arbeitsgemeinschaft für Volkskunde an der Universität Wien" bedeu-tete als Versuch, die institutionell auf Wiener Hochschulebene noch nichtetablierte Volkskunde universitär zu verankern ,,, den Aufbruch einer Gene-ration❝40. Wieweit diese ,, Forschergemeinde, in der die neueren Anschauun-gen und Methoden diskutiert werden konnten“ und das ,, bis 1937 als dasgeistige Zentrum der Volkskunde in Wien[ funktionierte]", tatsächlich ,, imGegensatz zu[ Arthur] Haberlandt gegründet" worden ist42, muß dahinge-36 Perkmann, Volkstumspflege( wie Anm. 5), S. 1039( kursiv im Orig.). Zu der mitErrichtung der austrofaschistischen Diktatur ins Leben gerufenen volksbildneri-schen Organisation ,, Neues Leben“ der ,, Vaterländischen Front" siehe Bärntha-ler, Irmgard: Die Vaterländische Front. Geschichte und Organisation. Wien,Frankfurt am Main, Zürich 1971, S. 189–194.
37 Perkmann, Volkstumspflege( wie Anm. 5), S. 1039.38 Unmittelbar nach Gründung der ,, Radio- Verkehrs- Aktiengesellschaft“( RA-VAG) im Jahre 1924 hat Perkmann Rundfunkvorträge zu meist brauchkundlicherThematik gehalten und ist von da an fast anderthalb Jahrzehnte in diesemMedium präsent gewesen; ihr letzter Radiovortrag datiert lt. RAVAG- Zeitschrift,, Radio Wien" vom 31. Dezember 1937. Veigl, Hans: Sendung und Auftrag.Volkskultur zwischen Volksmusik und Volkstumsideologie in den Programmender RAVAG und des Reichssenders Wien 1924-1945.( Dipl. Arb.) Wien 1995,bes. S. 193-303( Materialteil).
39 Olaf Bockhorn: Von Ritualen, Mythen und Lebenskreisen. In: Jacobeit, Wolf-gang, Hannjost Lixfeld, Olaf Bockhorn( Hg.): Völkische Wissenschaft. Gestaltenund Tendenzen der deutschen und österreichischen Volkskunde in der erstenHälfte des 20. Jahrhunderts. Wien, Köln, Weimar 1994, S. 477-526, hier S. 509;ders.: Rudolf Kriss und die Universität Wien. Eine Dokumentation. In: Griesho-fer, Franz, Margot Schindler( Hg.): Netzwerk Volkskunde. Ideen und Wege.Festgabe für Klaus Beitl zum siebzigsten Geburtstag(= Sonderschriften desVereins für Volkskunde in Wien, Bd. 4). Wien 1999, S. 185-200, hier S. 190.40 Schmidt 1982( wie Anm. 26), S. 46.
41 Schmidt, Leopold: Geschichte der österreichischen Volkskunde(= Buchreihe derÖsterreichischen Zeitschrift für Volkskunde, N.S., Bd. 2). Wien 1951, S. 154.42 Schmidt 1982( wie Anm. 26), S. 46.