Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde102 (1999) / N.S. 53Nikitsch, Herbert: Adelgard Perkmann – eine fachgeschichtliche Notiz

  
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Adelgard Perkmann – eine fachgeschichtliche Notiz
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ÖZV LIII/ 102

hat sie als lange Zeit einzige beamtete wissenschaftliche Mitarbeiterin desVereins bzw. Museums für Volkskunde auf organisatorischer Ebene an derEtablierung der hiesigen Volkskunde im außeruniversitären wie später auchakademischen Bereich mitgewirkt und zu ihrer Propagierung und Populari-sierung beigetragen. Und zum anderen repräsentiert sie in ihrer gesellschaft-lichen und weltanschaulichen Herkunft geradezu idealtypisch jenes Fach,das quellenkritisch intendierte Wissenschaftlichkeit mit kulturreformeri-scher Attitude zu verbinden suchte und das, in enger Verbindung mit dernational- romantischen bürgerlichen Jugendbewegung und einer zunehmendorganisatorisch durchstrukturierten Volkstumspflege", in der prekärenösterreichischen Geschichtsphase der 20er und 30er Jahre eine nicht zuunterschätzende kulturpolitische Rolle spielte.6

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Adelgard Friederike Perkmann wurde am 1. Dezember 1897 in Czerno-witz geboren- ein Ort, der fachgeschichtliche Assoziationen nahelegt, ist erdoch auch die Heimat Raimund Friedrich Kaindls, des programmatischenVordenkers einer frühen, noch den gesamten cisleithanischen Raum derDonaumonarchie ins Visier nehmenden Volkskunde. Doch Perkmann hatdie Hauptstadt der Bukowina bereits im Vorschulalter verlassen, im Jahre4 Schmidt, Leopold: Das Österreichische Museum für Volkskunde. Werden undWesen eines Wiener Museums(= Österreich- Reihe, Bd. 98/100). Wien 1960,S. 93.

5 Adelgard Perkmann: Volkstumspflege. In: Monatsschrift für Kultur und Politik,1, 1936, H. 11, S. 1039–1041.

6 Kretzenbacher, Leopold: Volkskunde als Faktor der Kulturprägung im Österreichder Zwischenkriegszeit. In: Internationales Kulturhistorisches Symposion Mo-gersdorf, Band 12. Szombathely 1983, S. 83–93.

7 Dieses Datum findet sich auf sämtlichen eingesehenen Dokumenten; Schmidt1947( wie Anm. 1) und Jungwirth( wie Anm. 2) führen irrtümlicherweise den1. November an.

8 Kaindl, Raimund Friedrich: Die Volkskunde, ihre Bedeutung, ihre Ziele und ihreMethode mit besonderer Berücksichtigung ihres Verhältnisses zu den histori-schen Wissenschaften. Ein Leitfaden zur Einführung in die Volksforschung(= Die Erdkunde XVII. Teil). Leipzig und Wien 1903. Zum( inter) nationalenUmfeld der frühen österreichischen Volkskunde siehe Johler, Reinhard: DasEthnische als Forschungskonzept: Die österreichische Volkskunde im europäi-schen Vergleich. In: Beitl, Klaus, Olaf Bockhorn( Hg.): Ethnologia Europaea.Plenarvorträge(= Veröffentlichungen des Instituts für Volkskunde der Universi-tät Wien 16/ II). Wien 1995, S. 69-101.

9 Kaindl verdanken wir nicht nur eine geschichtliche Abhandlung dieser Stadt,sondern auch eine anschauliche Schilderung ihres Umlandes und der regionalenLebensverhältnisse im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, wie sie auf den späterin Czernowitz und Graz lehrenden Universitätsprofessor ,, den nachhaltigstenEindruck[ übten]; Kaindl, Raimund Friedrich[: Autobiographie]. In: Steinberg,Sigfrid( Hg.): Die Geschichtswissenschaft der Gegenwart in Selbstdarstellungen.