Aufsatz in einer Zeitschrift 
Kruzifix mit Blitzableiter
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Martin Scharfe

ÖZV LIII/ 102

von dem Pfarrer Scherer dann später auf dem Erzberg sprach). DieSteine fand man Hunderte von Metern vom Gipfel entfernt, siemußten mit Schlitten, die man hinaufgebracht hatte, zur Baustellegezogen werden, und die Arbeiter konnten die Steine nur angeseilt ,, undmit den schärfesten Steigeisen versehen brechen. Schlechtes Wetterbrach ein, als die Säule gerade zur Hälfte gediehen war- sie wurde nievollendet. Nach dem letzten Plan hätte sie sechsundzwanzig Fuß hochwerden sollen; das wäre mit etwa acht Metern Höhe ziemlich genau dasHöhenmaß des Erzberger Kruzifixes gewesen ein Zufall?

Doch geht es nicht nur um die Ortler- Aktionen und ihr Monument;oder vielmehr: Die kolossale Ortler- Pyramide ist nur Ausdruck jenesals Triumph empfundenen Fortschritts- Schrittes, den die seit Endedes 18. Jahrhunderts mit Vehemenz betriebene Unterwerfung derhohen Berge darstellt: ihre Ersteigung, ihre Vermessung, ihre Erfor-schung, ihre Entzauberung. Erzherzog Johann war einer der ener-gischsten Beförderer dieser Aktionen, wie man nicht nur an derOrtler- Geschichte von 1804/05 sieht, sondern auch an anderen Ver-messungskampagnen und Weg- Recherchen und Gipfel- Besteigun-gen, die er betrieben hat( wie etwa die erste Besteigung des Torsteinsam Dachstein, 1818). Und nicht selten war er selbst beteiligt: 1814erstieg er die Hochwildstelle in den Niederen Tauern, 1817, in Erst-begehung, den Hochgolling im selben Gebirge, 1832 den Großglock-ner; den Versuch der Besteigung des Großvenedigers im Jahr 1828mußte er wegen ungünstiger Umstände abbrechen³6.

Es geht hier nicht um die Details. Wichtig ist allein, daß Johann indie vorderste Front der wissenschaftlichen Alpin- Strategen gehört. Erist keineswegs ein Romantiker oder Träumer; er ist vielmehr wie aufanderen Gebieten auch hier Innovator: Johann der Fortschrittlichesozusagen. Und er weiß es, daß er an der Front des Fortschritts steht-sonst hätte er nicht jenen kleinen Babel- Turm auf die Eiskuppe desOrtlers zu setzen befohlen, den Pfarrer Scherer( der die Geschichteaus dem vielgelesenen Wiener ,, Archiv für Geographie, Historie,Staats- und Kriegskunst, Jahrgang 1817, kennen mochte) dann inseiner Erzberg- Predigt zu kritisieren Anlaß hatte.

36 Vgl. dazu den kurzen Bericht von Popelka, Fritz: Erzherzog Johann als Alpinist.In: Tremel, Ferdinand( Hg.): Erzherzog Johann und die Steiermark( wie Anm. 5),S. 70-75; vgl. auch ausführlicher Lambauer, Hannes: Erzherzog Johann alsBergsteiger und Naturfreund. In: ders.: Erzherzog Johann. Sein Leben in denBergen. Bad Aussee 1982, S. 9–86.