1999, Heft 3
Kruzifix mit Blitzableiter
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frühen Glaubensmanifestation der Kreuz- Kirche zur späten Glau-bensmanifestation des von Erzherzog Johann gestifteten ErzbergerGipfelkreuzes ist deutlich gezogen( Scherer hätte, wenn er gewollthätte, sogar noch die alte Sage von der wunderbaren Bestrafung derfrevelhaften Schüsse auf ein Kruzifix im Jahre 1601 anführen können,an die bis heute ein Bild in der Eisenerzer Kirche St. Oswald erin-nert³); und diese Linie des Glaubens wird in scharfen Kontrastgestellt zur, eitlen Riesensäule' und zur, stolzen Pyramide'.
Der Kontrast könnte nicht schärfer sein; denn die harsche Kritikam, kalten, stummen Monumente' traf wohl niemand anderen alsErzherzog Johann selbst: hatte der doch nicht nur in den Jahren 1804und 1805 die Ortlerspitze besteigen lassen, sondern auch die Errich-tung einer monumentalen, fünfundzwanzig bis dreißig Fuß oderSchuh( also etwa acht bis neun Meter) hohen Steinpyramide auf demGipfel des Berges, der höchsten Spitze des damaligen Tirol, angeord-net. Das Bauwerk sollte an seinem Fuße in einem kleinen GewölbeMeßgeräte- Barometer und Thermometer- aufnehmen; zwei Mar-morplatten hätten Platz für die Geschichte der Erstbesteigung und fürdie Namensinschriften künftiger Ersteiger geboten; und die ganzePyramide wäre von einem Blitzableiter geschützt worden, wie der dieAktion leitende Bergoffizier J. A. Gebhard, der selbst oben war,berichtet. Doch ungeahnte Schwierigkeiten taten sich auf. DenGipfel fand man dick mit Eis bedeckt. Zwar schmolz man mit Hilfevon hinaufgeschlepptem Stroh, Pech und Holz einen etwa drei Metertiefen Kessel in das Eis- ,, wie eine transparente Opferschale"( Geb-hard verwendet diese Worte wiederholt!)--, doch fürchtete man, unterdem Eis ohnehin nur brüchigen und als Fundament untauglichen Felszu finden, beschloß also, die Steinpyramide aufs Eis zu setzen in derHoffnung ,,, daß die Steinmasse bald, besonders wenn Regen undSchnee fallen sollte, zu einem unzertrennlichen Klumpen sich zusam-menkitten würde"( also im Wortsinne zu jenem, kalten Monumente",34 Ein Jäger hatte ,, auß eingebung des bösen Feinds" zwei Schüsse auf das Bildabgegeben; zur Strafe wurde er ,, stockblind" und starb eines ,, Elenden Todes".1710 wurde das Bild auf dem Kreuzaltar aufgestellt; an diesen Akt erinnert eineInschrift. Vgl. Nikolini, Alfred: Pfarrkirche St. Oswald in Eisenerz. 6. Aufl.Eisenerz 1994, S. 14.
35 Gebhard, J. A.: Über die Besteigung der Ortlerspitze in Tyrol auf Befehl unddurch Unterstützung Sr. kaiserl. Hoheit des durchlauchtigsten Erzherzogs Johannin den Jahren 1804 und 1805. In: Archiv für Geographie, Historie, Staats- undKriegskunst( Wien), Jg. 1817, S. 251-254, 260-263, 279–283.