Aufsatz in einer Zeitschrift 
Kruzifix mit Blitzableiter
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Martin Scharfe

ÖZV LIII/ 102

das ,, Eiserne Kreuz" und die Aktion ,, Gold gab ich für Eisen").Guẞwerk ,,, dieser merkwürdige Industrial- Ort", war um 1820 in derLage, einen bis 110 Zentner schweren Körper herzustellen¹, erzeugtezwar vor allem Kanonen und Munition, daneben aber doch auch etwaGrabskulpturen, die künstlerisch nicht einmal anspruchslos gewesenzu sein scheinen. Sehr auffällig ist deshalb die enttäuschende ästhe-tische Qualität des in kräftigen Farben bemalten Corpus: ein gedrun-gen muskulöser Körper, das Gesicht plattgedrückt und ohne Aus-druck, die Hände mit dicken, stumpfen Fingern¹8. Wie hat man sichdas zu erklären vor allem, wenn man den hohen Auftraggeber inBetracht zieht? Warum hat er diese miserable Leistung akzeptiert?Warum hat er, der doch sonst in dieser Angelegenheit Theater undPomp und Aufwand nicht scheute, nicht einen Künstler ersten Rangesengagiert- warum also hat er die Tür zum Zweifel an seiner letzthin-nigen Ernsthaftigkeit einen Spalt offen gelassen? Nicht einmal dieäußeren Umstände dieser Frage sind geklärt und müssen also vorläu-fig im Dunkeln bleiben: die schon im Jahr 1822 8000 Modelleumfassende Sammlung im ,, höchst interessanten Modellen- Kabinet-te19 ist längst verschleudert und vernichtet 20, und die GuẞwerkerGeschichte ist gerade für die in Frage stehende Zeit zwischen 1800und 1850 aus archivtechnischen Gründen noch nicht aufgearbeitet".Über die Einweihungsfeier selbst( am 3. Juni 1823) aber haben wirnicht nur Loders schon beschriebenes, vortreffliches Bild, sondernauch den nicht minder anschaulichen und detailreichen Bericht vonFranz Carl Weidmann( 1790-1867), der im Februar 1824 erst in der,, Wiener Zeitschrift erschien und etwas später auch in der GrazerZeitung ,, Der Aufmerksame" 22. Es lohnt sich, ihn zu lesen- nicht nur16 Vgl. Schmutz, Carl: Historisch Topographisches Lexicon von Steyermark.1. Theil. Gratz 1822, S. 641-645; hier: S. 641.

17 Vgl. dazu die Abbildungen bei Pichler, Matthias: Geschichte der GemeindeGuẞwerk. Horn 1959; zum Gußwerker Eisenkunstguß in der fraglichen Zeit ebd.,S. 52-57.

18 Der Volkskundler braucht den Augenschein. Daß er mir ermöglicht wurde,verdanke ich Prof. Dr. Helmut Eberhart, Graz, Frau Dr. Sigrid Günther vomEisenerzer Museum( die das Arrangement ermöglichte) und der Bergdirektionder Erzberg Ges.m.b.H.( welche die Erlaubnis gab und die Fahrt zum Gipfel insWerk setzte).

19 Schmutz, C.: Lexicon von Steyermark( wie Anm. 16), S. 643.

20 Vgl. Pichler, M.: Geschichte der Gemeinde Gußwerk( wie Anm. 17), S. 57.21 Frdl. Mitteilung von Prof. Dr. Paul Roth und Prof. Dr. Helmut Eberhart, beideGraz.