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Martin Scharfe
ÖZV LIII/ 102
liert: ,, Sie, hochwürdiger Herr! werden nicht auf der Spitze unseresErzberges gewesen seyn, allein öfters auf mancher Alpenhöhe“ ¹³, dasist deutlich genug: das Kreuz auf dem Erzberg ist nicht ein beliebigesKreuz auf einer beliebigen Anhöhe; es ist vielmehr als alpines Berg-und Gipfelkreuz gedacht. Diese Anmerkung mag heute trivial wirken,sie ist indessen einer der Schlüssel zum Verständnis sowohl desErzberg- Kruzifixes als auch aller frühen Berg- und Gipfelkreuze.
Die Einweihung
Es müssen, was die Vorgeschichte betrifft, noch ein paar Sätze zumErzberger Kruzifix selbst nachgetragen werden. Als es am 27. Mai1823 in Anwesenheit des Erzherzogs, eine Woche vor der Einwei-hung, montiert und aufgestellt wurde, mochte das keine geringeAktion sein: das Kreuz aus Lärchenholz ragte über 7 m aus demBoden, in dem es der Stabilität wegen 2½ m tief versenkt war; dasCorpus, überlebensgroß( nämlich über 2 m!) und hohl gegossen, wogüber 10 Zentner¹4 und war aus dem Erz des Erzbergs in Gußwerk naheMariazell( das etwa 40 km Luftlinie nordöstlich des Erzbergs liegt)gegossen worden. Die Technologie des Eisenkunstgusses, keines-wegs eine simple Sachets, hatte in den Jahrzehnten davor eine rasanteEntwicklung durchgemacht( erst 1784 war es erstmals, im sächsi-schen Lauchhammer, gelungen, eine große Statue in einem einzigenGuß aus einer Form herzustellen), die auch von einer Steigerung derWertschätzung des gegossenen Eisens begleitet war( wir denken an13 Erhöhung des Kreuzes( wie Anm. 6), S. 11, 11 f.
14 Diese Angaben aus Weidmann, Franz Carl: Bilder aus der österreichischenAlpenwelt. II: Die Aufstellung des Kreuzbildes von Gußeisen auf dem Erzberge.In: Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode. Nr. 21 vom17.2.1824, S. 169–175; hier: S. 173; Göth, Georg: Vordernberg in der neuestenZeit, oder geschichtliche Darstellung der Vereinigung der Radgewerken, nebsteiner Einleitung, die Beschreibung des Berg- und Hüttenbetriebes zu Vordern-berg enthaltend. Wien 1839, S. 101 f.; Krauss, Ferdinand: Die eherne Mark. EineWanderung durch das steirische Oberland. 1. Band. Graz 1892, S. 445.15 Vgl. Weber, Kurt: Zur Philosophie und Geschichte des Eisenkunstgusses. 2 Teile.In: konstruieren+ gießen 14/1989, Nr. 3, S. 34-41, und Nr. 4, S. 28-37; hier:Nr. 3, S. 35. Ein kurzer Überblick zur Geschichte monumentaler Guẞarbeitenbei Schreiber, Christa: Grossguss- Werke. In: Arenhövel, Willmuth u.a.: Eisenstatt Gold. Preußischer Eisenkunstguß aus dem Schloß Charlottenburg, demBerlin Museum und anderen Sammlungen. Berlin 1982, S. 238–241, 242–257.