Aufsatz in einer Zeitschrift 
Kruzifix mit Blitzableiter
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Martin Scharfe

ÖZV LIII/ 102

weihung des Kreuzbildes von Gußeisen auf dem Erzberge in Steyer-mark am 3ten Juny 1823".

Der Blick geht auf einen runden unbewaldeten Berggipfel, der dierechte Bildhälfte fast füllt und über und über mit Menschen bedecktist, deren nach Hunderten zählende Menge sich bis in den felsigenVordergrund der Bildmitte erstreckt. Andächtig blicken die Versam-melten, die so exakt gezeichnet sind, daß man sie zählen könnte, aufsZentrum des Geschehens auf dem Berggipfel; viele sind betend aufdie Knie gefallen; dem nicht Landeskundigen fallen insbesondere diehellen breitkrempigen Frauenhüte auf( die sogenannten Scheibenhü-te), die einen artigen Kontrast bilden zu den nicht zuletzt wegen ihrerGewandfältelungen fast gotisch wirkenden Figuren. Den linkenBildrand bilden zwei alte Wettertannen( es sind doch wohl Tannen?oder Lärchen?), die im Vordergrund auf Fels wurzeln; mit Hilfe einerLeiter sind Neugierige auch sie ist man versucht zu zählen- hochin die Bäume hinaufgestiegen, um den Akt der Kreuzweihe zu beob-achten. Zwischen den Bäumen und dem Erzberggipfel hindurch fälltder Blick auf einen etwas tiefer gelegenen Bergsattel, auf dem man,in der Ferne schon, nochmals viel Volks erkennt; dieser Rücken stelltdie Verbindung dar zu der kahlen, von Schuttkaren durchzogenenBergkette des Erzberger Reichensteins, der im Hintergrund( ungefährnach Süden hin) den Bildhorizont bildet. Hie und da steigen nochNebel auf und verbinden sich mit den quellenden Haufenwolken amHimmel der rechten Bildhälfte. Es ist später Morgen oder früherVormittag ein strahlender Tag: die Sonne bescheint die Szene undwirft nur noch kurze Schatten nach rechts. Auch weht ein leichterOstwind, wie man an den Flammen der Riesenkerzen sieht, die dieBergleute rechts des Kreuzes halten, und an der großen Fahne.

Auf dem Berggipfel aber erhebt sich ein riesiges Kreuz. Derüberlebensgroße Gekreuzigte ist nach links, nach Osten ausgerichtet,der Sonne entgegen. Am Fuß des Kreuzes kann man einen Altarerkennen mit Altargefäßen und Pflanzenwerk und darüber, am Stamm2 Beide Blätter sind vor allem in der steirischen Literatur oft erwähnt und abgebil-det worden( das Graphikblatt wird meist als Kupferstich bezeichnet). Es genüge,wenn ich verweise auf Koschatzky, Walter( Hg.): Die Kammermaler um Erzher-zog Johann. Graz 1959, S. 100, und insbesondere auf von Wietersheim- Meran,Maria Theresia: Von der Ritteridylle zum Bilddokument. Matthäus Loder( 1781-1828). Ein Kammermaler des Erzherzogs Johann von Österreich. 2 Teile. Wien-Köln 1989; hier: Teil 2( Chronologisches Werkverzeichnis), S. 401-405( dasAquarell Nr. 806, der Stich Nr. 807).