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Literatur der Volkskunde
ÖZV LIII/ 102
Bauernhaus ihre eigene Symbolik besaß“( S. 96), Fruchtbarkeitssymbolik,dürfen wir hinzufügen.
Wenn die Auferstehung als eine Art Wiedergeburt verstanden worden ist( und derart, wie wir wissen, begründet wurde), so erklärt dies den häufigenGebrauch des Eis zu Ostern; aber auch anderer Gewohnheiten, die direktermit dem Brot in Zusammenhang stehen( wenn sich auch Ei und Brot im Fallevon Geburt und Auferstehung, als Wiedergeburt, in direkter Abhängigkeitvoneinander befinden). Der Volkskundler aus Zypern Nearchos Kliridisberichtet, daß am Gründonnerstag jedes Familienoberhaupt einen Wasser-krug in die Kirche brachte und weihen ließ( unter dem Lesepult, an dem derPriester die Zwölf Evangelien verlas). Mit diesem geweihten Wasser wirdder Hefeteig hergestellt, aus dem die Osterbrote gemacht werden. Die Hefewird das ganze Jahr über aufbewahrt, bis zum nächsten Gründonnerstag, undnach jeder Brotherstellung erneuert( S. 131).
Der Höhepunkt der Fruchtbarkeitsbedeutung des Hefebrotes ist natürlichbei den Geburtsbräuchen zu beobachten. Die Verfasserinnen legen denbezüglichen Handlungen prophylaktische Bedeutung, Schutz vor bösenEinflüssen zu, indem sie sich auf die Angaben der Informantinnen selbststützen( vgl. S. 158). Doch glaube ich, daß die Analogie- Bedeutung in jenenFällen zutrifft, wo z.B. bei der Geburt eines Kindes eine Teigform in dieWiege gelegt wird. In die Teigform werden vielfach auch Getreidekörneroder Baumwollsaat gelegt( Symbole der Entwicklung und des langenLebens). In einigen Dörfern wurde an ein Kleidungsstück Brot angebun-den und auf den Kopfpolster des Neugeborenen gelegt, statt des Kreuzes,,, für das Glück“, oder es wurde eine Brotscheibe auf seine Brust gelegt,,, um ihm zu helfen“( S. 159). Die Kolleginnen erinnern sich an dieserStelle treffenderweise an den altgriechischen Brauch des dionysischen,, Liknon"( Dionysos Liknites), was eigentlich ein agrarisches Gefäß war,in dem beim Drusch die Weizenkörner gesammelt wurden; erst durch dasErscheinen des Dionysos in diesem Gefäß ist ,, Liknon" zur Wiege gewor-den! Der Brauch, neben das Neugeborene und die Wöchnerin ,, Geräteund Gegenstände in Bezug auf den Hefeteig“ zu legen, weit verbreitet inZypern, ist auch in anderen griechischen Gebieten nachgewiesen( S. 159). Aus dem Dorf Hagios Basileios ist eine ,, sehr komplizierte“Prozedur bekannt: in die Teigform, wo der Brotteig zubereitet wurde,streute man auf den Grund Weizenkörner und legte darüber einen Ballenungenähtes und ungewaschenes Tuch, darauf dann das Neugeborene ,,, da-mit es immer gesegnet sei“. Die Verfasserinnen kommentieren: ,, Das unge-nähte ungewaschene Tuch wird auch in anderen Fällen verwendet, z.B. alsTotenlinnen.“( S. 159) Dieser vereinzelte Nachweis erlaubt freilich keinekühnen Interpretationen, ist aber dennoch ein wenn auch zufälliger--