Aufsatz in einer Zeitschrift 
Diskurs und Diskursanalyse als Praxis?
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Mitteilungen

Diskurs und Diskursanalyse als Praxis?

Konrad Köstlin

ÖZV LIII/ 102

Ein Austausch von Texten, ein Disput, der die ÖZV zum ungewohnt munte-ren Diskussionsforum macht, hat sich am Aufsatz von Michaela Gindl undUlrike Tauss' entzündet. Ich selbst war es seinerzeit gewesen, der vorge-schlagen hatte, den Text einer überzeugenden Seminararbeit, in der es umeine Analyse der Mitteilungsblätter von ,, pro vita alpina ging, zu einemAufsatz für die Zeitschrift zu machen und der Redaktion anzubieten. DieseAnalyse war im Rahmen eines Seminars mit dem Titel, Brennende Pro-vinz?" entstanden, in dem die Chancen des ländlichen Raumes an Handöffentlicher Diskurse( wie z.B. das Projekt ,, Heiße Heimat") erörtert werdensollten.

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Die beiden Studierenden hatten einen wie ich immer noch meineinteressanten Text vorgelegt und sich eines Verfahrens bedient, das in derVolkskunde längst etabliert ist und das einige, nicht alle vielleicht, alsDiskursanalyse bezeichnen. Moderat haben die beiden Autorinnen ihr Un-terfangen deshalb als ,, diskursanalytischen Versuch" bezeichnet und denkomplexen Prozeß der Präsentation von Argumenten und der ihnen zugeord-neten Wertigkeiten auf ihre Herkunft befragt und in Motive und Denkfigurenzerlegt: nichts anderes heißt analysieren, und das machen Volkskundlernicht immer explizit nicht erst seit heute. Man kann die Angelegenheitschon deshalb tiefer hängen. Die Diskursanalyse ist neben der Beobachtung,dem Interview, der historischen Bild- und Quellenforschung( die selbst alseine Analyse stattgehabter Diskurse angesehen werden kann) und der Sacha-nalyse die, seit K.-S. Kramers ,, Dingbedeutsamkeit und LeopoldSchmidts ,, Gestaltheiligkeit, ebenfalls eine diskursanalytische Gravitationbekommen hat- eines der zentralen Verfahren in unserem Fach, das esmithin avant la lettre, Diskursanalyse lange schon praktiziert. Das magerklären, daß sich- wie etwa der kluge Aufsatz Andreas Hartmanns4 zeigtdie Volkskunde, als der Begriff auftauchte, schnell angesprochen fühlte undden Begriff und die Methoden adaptierend zugriff. Und textanalytischeVerfahren, wie sie etwa auch die ,, Stadt als Text" lesen wollen, haben eineReihe schöner Texte entstehen lassen. Hier war man zu Hause und hier ließsich zudem in einer reflexiven Moderne theoretisch und methodisch weiter-denken. Daẞ Wolfgang Kaschuba, gewiß kein luftiger Reaktionär, ein Kapi-tel seines neuen Buches mit ,, Diskursanalyse: Wissensordnungen und Argu-mentationsweisen" überschrieben hat, sei hier nur angemerkt. Im Diskurswerden Wissenssysteme verwaltet und auch ,, Ethnographisches Wissen als