Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde102 (1999) / N.S. 53Grieshofer, Franz; Bauinger, Renate: Feierliche Übergabe eines Christleuchters an das Österreichische Museum für Volkskunde

  
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Feierliche Übergabe eines Christleuchters an das Österreichische Museum für Volkskunde
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1999, Heft 2

Mitteilungen

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niemand von den Konfirmanden zurückgestellt werden, sodaß große Leuch-tergruppen zustande kamen. Auch das Moossammeln der Leuchterburschenwurde in den Nachkriegsjahren verboten, sodaß dann die Presbyter für dasEinbringen desselben zuständig waren.

Das Christleuchtersingen entfiel nur einmal, und zwar im Kriegsjahr 1944und wurde dann wieder ununterbrochen bis in die Gegenwart weitergeführt.Dieser alte Brauch, Christleuchter in die Kirche zu stellen, war in vielenSiebenbürgischen Gemeinden erhalten geblieben. Trotzdem war die Formund die Art der Christleuchter in jeder Gemeinde anders. Die spezifischeForm für Neppendorf wurde von Generation zu Generation weitergegeben.Von folgenden Männern ist bekannt, daß sie Christleuchter hergestellthaben:

1888-1910 Mathias Köber HNr. 486( 1856-1911)1911-1920 Andreas Nutz HNr. 879( 1868-1921)1921-1930 Michael Neff HNr. 21( 1891-1979)1931-1979 Josef Köber HNr. 486( 1906-)

1980-1989

Josef Köber HNr. 486( 1936-1989)

Und so sieht er aus: An einem Mittelstamm sind drei Kränze aus Moosbefestigt, die mit bunten Papierblumen reich verziert sind. Die Kränze habenunterschiedliche Durchmesser, sodaß sich eine Pyramidenform ergibt, dieauch durch die Anordnung der Kerzen betont wird. Eine ebenfalls aus Moosangefertigte und mit bunten Papierblumen verzierte Krone mit einer glit-zernden Spitze bildet die Pyramidenspitze. Diese trägt auf vier Seiten je dreiübereinander angeordnete Kerzen, aus deren Mitte eine dicke Kerze, Sie-benstern genannt, herausragt und vier reich verzierte Fähnchen. An denKränzen, in den Zwischenräumen, hängen vergoldete Nüsse, kunstvoll ausBinsenmark und Buntpapier verzierte Vögel und mit bunten Stoffen verzier-te Eier. An der Krone hängen neun vergoldete Nüsse. Pfarrer Heinz Galterschreibt folgendes über die Symbolik des Leuchters und seiner Verzierun-gen: So sind die Lichter sicher ein Hinweis auf das Licht der Heiligen Nacht.Die Nüsse deuten darauf hin, daß zu Ostern das seit Karfreitag verborgeneLeben des Heilands neu ersteht und daß auch wir leben sollen. Die Eierversinnbildlichen den Frühling mit seinem Keimen und Sprießen. Die vierFähnchen( vier Himmelsrichtungen) erinnern an das Wort des Auferstande-nen: ,, Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker( Matth. 28, 19). DieVögelchen sollen wahrscheinlich auf Pfingsten hindeuten. Die drei Ringesind das Symbol der Dreieinigkeit. Die Blumen mahnen: ,, Geh aus meinHerz und suche Freud. Das grüne Moos ruft zu lebendiger Hoffnung auf.