Aufsatz in einer Zeitschrift 
Menschen unterwegs : Themen und Probleme volkskundlicher Migrations-Studien
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1999, Heft 2

Menschen unterwegs

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schungsrichtung sind Ost- und Südosteuropa; konkret geht es umDonauschwaben, Gottscheer und Siebenbürger Sachsen, um nur ei-nige dieser Minderheiten- Gruppen zu nennen. Die Kritik an diesenForschungen faßt Annemie Schenk zusammen:

,, Der Einordnung der deutschen Gruppen in Ost- und Südosteuropanach dem nationalsprachlichen Kriterium lag eine Überbewertungeines einzelnen kulturellen Kennzeichens, nämlich des der Sprache,zugrunde. Die im Bild von der Sprachinsel evozierte Vorstellungverkannte die Lebensverhältnisse ihrer Bevölkerung gründlich. Sielieẞ außer Betracht, daß diese Gebiete stets auch Zonen des Kontaktswaren und ihre unterschiedlichen Bewohner in vielfältigen Beziehun-gen zueinander standen, sich auf vielen Ebenen ein Wechselspiel deskulturellen Austausches ergab. Im Zusammenleben mit den anderenVölkerschaften in ihren neuen Siedlungsräumen hatten die Nachkom-men der einstmals Ausgewanderten eine eigene Identität entwickelt,wie sie sich nur im Spannungsfeld von Landschaften mit ethnischgemischter Bevölkerung entfalten konnte".

Adolf Hauffen bezieht sich in seiner Monographie durchaus aufdie die deutsche Sprachinsel Gottschee umgebende Mehrheitsgesell-schaft bzw. deren Kultur, dies allerdings eher in Fußnoten als im Text,dies durch Bemerkungen wie, Ebenso bei den Südslawen" oderdurch entsprechende Literaturhinweise, wobei hinzuzufügen ist, daßdiese Ausgrenzung der Mehrheitskultur in keiner Weise in polemi-scher oder gar aggressiver Manier geschieht.

Ein derartiges Herangehen an das hier zur Debatte stehende Themasoll anderen vorbehalten sein, nämlich nach 1918 den( unter anderemauch volkskundlichen) Theoretikern des sogenannten Grenz- undAuslandsdeutschtums. Zu welch maẞloser Überheblichkeit dieseForschungsrichtung neigt, läßt sich etwa bei Max Hildebert Boehmoder Wolfgang Treutlein nachlesen. Deutlich wird dort die volks-kundliche Forschung aufgefordert, sich in den Dienst der nationalso-5 Schenk, Annemie: Interethnische Forschung. In: Brednich, Rolf W.( Hg.):Grundriß der Volkskunde. Einführung in die Forschungsfelder der EuropäischenEthnologie. Berlin 1988, S. 273-289, hier S. 278.

6 Hauffen( wie Anm. 4), S. 89.

7 Boehm, Max Hildebert: Das Volkstum der Grenz- und Auslanddeutschen. In:Peẞler, Wilhelm( Hg.): Handbuch der deutschen Volkskunde. 3 Bde. Bd. 1.Potsdam 1934, S. 170-182.- Treutlein, Wolfgang: Der Einsatz der Volkskundein der Arbeit am Grenz- und Auslandsdeutschtum. In: Oberdeutsche Zeitschriftfür Volkskunde 8, 1934, S. 109-113.