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Christian Stadelmann
ÖZV LIII/ 102
politisch und national. In seiner Diktion sind Vaterland und Heimateine Einheit mit Kirche und Heiligkeit. Dessen ungeachtet betontMindszenty immer wieder seine unpolitischen Intentionen³. DerEtablierung des Kommunismus in Ungarn und der damit verbunde-nen Demontage der katholischen Einrichtungen und Strukturen wi-dersetzt er sich so lange, bis er im Dezember 1948 festgenommenwird. Er wird gefoltert und zu Anfang des folgenden Jahres nacheinem Schauprozeß zu lebenslanger Haft verurteilt. Anfang 1956wird die Strafe in Hausarrest abgemildert, aus dem Mindszenty imZuge der Revolution am 30. Oktober 1956 von den Aufständischennach Budapest geholt wird. Am 3. November sendet das Radio einenAufruf des Kardinals. Er muß am Tag darauf in die US- Botschaftflüchten. Dort hält er sich bis 1971 auf. Je weiter in dieser Zeit dieEntspannungspolitik zwischen Ungarn und dem Vatikan fortschreitet,umso mehr wird Mindszenty wegen seiner konsequenten antikommu-nistischen Haltung zum Hemmnis dieses Prozesses. Nicht ganz frei-willig verläßt er im September 1971 das Land und lebt bis zu seinemTod am 6. Mai 1975 in Wien. In diesen letzten Lebensjahren unter-nimmt er noch zahlreiche Reisen, die ihn vor allem zu Organisationenvon Exilungarn in aller Welt führen. Er läßt kaum eine Gelegenheitaus, das Wort gegen den Kommunismus zu ergreifen. Papst Paul VI.( 1897-1978, Papst ab 1963) sieht sich gezwungen, Mindszenty deserzbischöflichen Amtes, das dieser noch immer innehat, zu entheben.Das geschieht am 5. Februar 1974, ausgerechnet am 25. Jahrestag desSchauprozesses gegen den Kardinal.
Am 15. Mai 1975 wird Mindszenty in der ungarischen Kapelle derBasilika Mariazell beigesetzt. Der Trauerzug wird von Trägern unga-rischer Fahnen angeführt, ein Wappentuch zeigt die Stephanskroneund trägt die Aufschrift ,, Patrona Hungariae“. Nach Zeitungsberich-ten sind 7000 Menschen zur Bestattung gekommen³. Mit in den Sarggibt man dem Verstorbenen nebst Rosenkranz und einem Bild seinerMutter auch ungarische Heimaterde. Die Predigt wird vom Verant-wortlichen für die Ostpriesterhilfe, Pater Werenfried van Straaten,gehalten. Der ungarische Seelsorger von München, Monsignore Gyo-ergy Adam, hält den Nachruf. Zwei Studenten eines Gymnasiums fürExilungarn in Bayern sprechen Abschiedsworte für die ungarische
35 Vgl. etwa Mindszenty, József: Erinnerungen. Frankfurt am Main, Berlin, Wien1974, S. 24 und 60.
36 Kleine Zeitung( wie Anm. 1), 72. Jg., 112, 16.5.1975, S. 6.