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Christian Stadelmann
ÖZV LIII/ 102
uns eine Garantie für eine neue Zukunft der Kirche in Europa" 16. DieLesungen und Fürbitten wurden sowohl deutsch als auch ungarischgesprochen. Später am selben Tag zelebrierte auch noch BischofMiklósházy einen eigenen Gottesdienst in ungarischer Sprache, andem die Kardinäle Franz König und Hans Hermann Groër teilnah-men. Mindszenty war auf einem Katafalk vor dem Hochaltar aufge-bahrt. Der Sarg war von Pfadfindern aus Ungarn flankiert. Ein Blu-menstrauß mit einem Band in den ungarischen Nationalfarben zierteihn¹8. Eine ungarische Delegation hielt bis Mitternacht die Totenwa-che. Am frühen Morgen des 3. Mai 1991 wurde Mindszenty verab-schiedet. Er wurde in jenem Fahrzeug überführt, das vormals bei denLeichengängen von Kaiserin Zita und Bruno Kreisky eingesetzt wor-den war¹. Der Konvoi fuhr zunächst nach Lilienfeld, wo der Abt undder niederösterreichische Landeshauptmann Siegfried Ludwig denKardinal verabschiedeten20, und, vorbei an Wien, nach Nickelsdorf.
Mariazell und Ungarn
Es gilt nun, wenigstens in groben Zügen die Umstände nachzuzeich-nen, welche die große Repräsentanz politischer und kirchlicher Wür-denträger, den großen Aufwand und die vielfältige Symbolik erklä-ren, die den Rahmen dieser Feierlichkeiten für Kardinal Mindszentyausmachten. Denn sowohl seine zeitweilige Bestattung in Mariazellals auch die Überführung nach Esztergom sind letztlich logischbegründet in einer über 600 Jahre währenden Geschichte der politi-schen und religiösen Verflechtungen zwischen Ungarn und Österreichund haben ihren geographischen Kulminationspunkt in Mariazell.
Im 14. Jahrhundert ließ König Ludwig I. von Ungarn( 1326–1382)in Mariazell eine gotische Wallfahrtskirche errichten. Ein Sieg gegendie Bulgaren( 1363) soll der Grund dafür gewesen sein. Die Bulgarenwurden später zu Osmanen erklärt, die zu dieser Zeit erstmals auf derBalkanhalbinsel Fuß fassen konnten eine Deutung, die Mariazellmit einem historisch tief wurzelnden Symbolgehalt ausstattete und zu
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16 Kleine Zeitung( wie Anm. 1), 3.5.1991, S. 15.
17 Ebd.
18 Ebd., S. 14.
19 Kurier( wie Anm. 1), 29.4.1991, S. 4.
20 Kurier( wie Anm. 1), 1.5.1991, S. 18.