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Literatur der Volkskunde
ÖZV LIX/ 108
,, gemischten Rassen“ differenzierte, erklärt Fuchs u. a. am Beispiel desösterreichischen Anthropologen Augustin Weisbach, der für die Habsbur-ger- Monarchie ,, eine Rassenhierarchie der, Mischungsgrade" erfand, in derdie ,, jüdische Mischrasse" der ,,, reinsten Rasse- den hegemonialen, Deut-schen- gegenübergestellt“ wurde. Daran, so folgert Fuchs, knüpften ,, seitden 1880er Jahren die Theoretiker des, arischen Mythos' an“( S. 321). In,, Sexismus, Rassismus und Patriarchat vor dem Hintergrund zunehmenderIndustrialisierung" vermeint Fuchs ,,, die Genese einer Bio- Politik“ zu er-kennen, die vorerst ,, im Kontext des deutschen Imperialismus“ in derdeutschen Kolonie Südwestafrika zwischen 1904 und 1907 eine„, gnaden-lose ethnische Säuberung“ an den Hottentotten Glossary ::: show glossary-entry Hottentotten auslöste, um ein ,, reindeutsches Land entstehen zu lassen( S. 17). Rassenhygieniker, wie EugenFischer, begrüßten diese ,,, ethnisch gesäuberte Gesellschaft" als ,, Modelleiner, entmischten Gesellschaft, in der, Indogene' als Gesindel', ausge-merzt und die Mischung von..., Bastardrasse' und, weißer Herrenschichtkünftig unterbunden werden sollte"( S. 322).
Im dritten Teil, in dem Fuchs die ,, Bio- Politik der, Entmischung' inÖsterreich( 1918-1945)" thematisiert, wird die Geschichte der physischenAnthropologie in Österreich genauer analysiert, deren erklärtes Forschungs-ziel es war, einerseits ,, die ursprünglich in Europa verbreiteten, Rassen“ zusystematisieren und das„, Ausmaß ihrer Mischung"" festzulegen sowieandererseits ,, im Vorfeld des Nationalsozialismus“ die Untersuchung ,, se-xueller und völkischer Differenzen“( S. 18) und ,, konkrete bio- politischeMaßnahmen zur Entmischung der Bevölkerung“( S. 322) zu forcieren.
Die ,, Wiener Rassenforschung", repräsentiert u.a. durch Rudolf Pöch,Josef Weninger bzw. Eberhard Geyer, positioniert Fuchs auf Basis des,, arischen Mythos" im Kontext mit der ,, Familien- und Heimatforschung",wobei letztere Richtungen ,, die reine Abstammung des ländlichen, deut-schen Volkes Österreichs von, Blut und Boden' postulierten“( S. 323). Indiesem Zusammenhang wäre eine intensivere Einbindung der Diskurse imRahmen der Wiener Anthropologischen Gesellschaft durchaus begrüßens-wert gewesen.
Von der österreichischen Justiz um die Mitte der 20er Jahre des vorigenJahrhunderts in Auftrag gegeben, sieht Fuchs im ,, erbbiologischen Abstam-mungsgutachten“( S. 272), an dessen Entwicklung der deutsche Hygienikerund Vizepräsident der Wiener Anthropologischen Gesellschaft, Otto Reche,maßgeblich beteiligt war ,,, alle Merkmale der strukturellen Überlagerungrassistischer und sexistischer Prinzipien entsprechend dem universellengenealogischen Schema“( S. 18). Es diente, wie Fuchs ferner konstatiert,zunächst als Vaterschaftsgutachten ,,, um Mütter nicht ehelicher Kinderbehördlich zu kontrollieren“( S. 18) und später im NS- Staat zur Exekutie-