Aufsatz in einer Zeitschrift 
Kultur und Prekärität : zu Tradierung, Verschriftlichung und Poetik bei den Roma des Südburgenlandes
Einzelbild herunterladen
 

422

Max Leimstättner

ÖZV LIX/ 108

entdeckte die Anzeige mit dem Zusatz ,, Bitte Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag  Zigeuner nicht vermit-teln. Die daraufhin erwirkte Vorsprache beim Bundespräsidentenendete mit zunächst mäßigem Erfolg. Dennoch begannen in denFolgejahren Roma unter Mithilfe engagierter Nicht- Roma erstmalsan der Emanzipation von der präsenten Opferrolle zu arbeiten.34 Eskam zur Gründung des ,, Verein Roma", der sich vor allem regionalum außerschulische Lernbetreuung für Romakinder, das Bereitstellenvon Lehrmaterialien zur Sprache Roman, die Organisation von Ver-anstaltungen im Kontext gelebter Roma- Kultur und überregional umdie Annerkennung der Roma, Sinti und Lovara Österreichs als Volks-gruppe bemühte. Letzteres konnte nicht ohne maßgebliche Hür-den mit vereinten Kräften Österreichischer Romavertreter 1993durchgesetzt werden.

Stefan Horvath engagierte sich zu dieser Zeit noch nicht aktiv inden verschiedenen Initiativen und im Verein, da es ihm sein Ar-beitsalltag in Wien nicht erlaubte. Er sieht in den Entwicklungen derletzten Jahre insbesonders gute Chancen im Betreiben einer nachhal-tigen Ausbildungspolitik für die kommenden Generationen. Die Ver-einsarbeit beschreibt er als Beginn eines Lernprozesses hin zurSelbstorganisation der Volksgruppe:

,, Ich habe das schon mitbekommen, was sich da im Vorfeld abgespielt[ hat], also es hat ja sogar Fernsehsendungen damals darüber gegeben undich muss sagen, der Verein ist auch eine sehr gute Einrichtung. Vielleichthaben wir nicht immer die nötigen Mitarbeiter mit dem nötigen Fachwis-sen, aber das ist aufgrund der schulischen Probleme, die wir gehabthaben, eigentlich ja selbstverständlich. Es wird nur jetzt noch eine Zeitlang dauern, bis man wirklich im Verein- oder generell in den Romaver-einen die richtigen Leute installieren kann, die mit dem umgehenkönnen und die Schwerpunkte dann auch auf Ausbildung setzen werden[...]Momentan ist der Verein in Oberwart noch immer in der Aufbauphase, essind eigentlich alle Funktionäre dort ins kalte Wasser gesprungen.<< 35Erst in Folge des Bombenattentats von 1995 ließen sich einige dergrößeren Ziele, die sich der Verein in den Jahren nach seiner Grün-dung auf regionaler Ebene gesetzt hatte, verwirklichen. Plötzlichstand die Siedlung für einige Wochen im Mittelpunkt medialer Be-richterstattung und Politiker und Verantwortliche übertrafen einandermit Versprechen und Zusagen.

34 Vgl. ebd. S. 49–71.

35 Vgl. Anm. 28.