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Max Leimstättner
ÖZV LIX/ 108
eine bessere Behandlung ,, nicht mehr und minder wie Ausländer"boten sich Stefan Horvath, als er sich am Wiener Südbahnhof beiBaufirmen als Hilfsarbeiter bewarb. Wie er heute hervorhebt, hatte erdamals ,, das Glück“, bei einer Baufirma zu landen, deren Mitarbeiterihn auch ausbildeten, obwohl er in der Angestelltenhierarchie alsHilfskraft ganz unten stand. Sein offener, kommunikativer Charak-ter gekoppelt mit dem Ehrgeiz, seinen Arbeitswillen unter Beweiszu stellen- kam ihm dabei entgegen. So schaffte er es in den 30 Jahrenam Bau trotz fehlender Ausbildung bis zum Polier in der Tiefbauab-teilung und zeitweilig zum Betriebsrat. Sein beruflicher Aufstiegdurch den selbst auferlegten Leistungsdruck hatte auch Auswirkun-gen auf sein ,, Herkunftsleben“: Beinahe unbemerkt vollzog sich eineDistanzierung von den wachsenden Problemen der Siedlung.
Parallel zu den Entwicklungen einer Zwangspendlerkultur unterden arbeitssuchenden Roma in Oberwart, wurde das Siedlungslebenschwieriger. So wurden Romakinder im burgenländischen Bildungs-system kontinuierlich zu einer vernachlässigten Randgruppe ge-macht: ,, Die aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse, massiver so-zialer Belastungen und ihrer Sozialisation in analphabeten oder zu-mindest semiliteralen Haushalten aufwachsenden Kinder wurden ge-meinsam mit geistig und körperlich behinderten Kindern in Sonder-schulklassen abgeschoben." 32 Stefan Horvath verortet die Gründe fürdie wachsenden Missstände und vor allem das Zulassen derselben vonSeiten der Roma in den aus der Pendlerkultur entstandenen Le-bensrhythmen. Für ihn war das Heimkommen in die Siedlung zwarschön, doch weder über die Arbeit in Wien noch über die Problemein der Siedlung wurde gesprochen:
,, Die zwei Tage zu Hause- Samstag, Sonntag- waren eigentlich immerfür jeden ein kurzes Intermezzo, wo man wieder dann geschaut hat, dassman wieder nach Wien kommt und Geld verdient[...] Wir wollteneigentlich aus diesem Dilemma in der Siedlung herauskommen. Wirwollten uns ein scheinbar sicheres Leben schaffen, indem wir in Wienarbeiten und dann immer heimkommen in die Siedlung, eine Siedlungaber, die sich zurückentwickelt. Und das haben wir nicht wahrgenom-men."
Durch die schlechten Chancen am Arbeitsmarkt und die kategorischeAusgrenzung der Romakinder und ihre Deklassierung, schienen sich
32 Baumgartner: Die Burgenland Roma 1945-2000( wie Anm. 13), S. 53.