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Max Leimstättner
ÖZV LIX/ 108
Stefan Horvath lebte zeit seines Lebens in der Roma- Siedlung amRand von Oberwart, einer etwa 6300 Einwohner zählenden Bezirks-hauptstadt im Süden des Burgenlandes. Genau genommen lebte er inzweien der insgesamt drei verschiedenen peripheren Siedlungsgebie-te, in die Roma von der Gemeinde an- und umgesiedelt wurden. AlsKind der Nachkriegsgeneration kannte er die erste und ursprünglicheSiedlung der Roma in Oberwart nicht mehr:„ ,, Czigánynegyed', dieälteste, zu deutsch, Zigeunerviertel Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeunerviertel' genannte Siedlung lag am Nord-westrand von Oberwart. Es handelt sich dabei um eine sogenannte, Zigeunerkolonie Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeunerkolonie', eine Siedlungsform, die in der zweiten Hälfte des19. Jahrhunderts im Gebiet des heutigen Burgenlandes entstandenwar." Stefan Horvaths Eltern überlebten die Konzentrationslager.Vor der nationalsozialistischen Machtübernahme in Österreich undden Deportationen in die Konzentrationslager beherbergte die ,, Zi-geunerkolonie Glossar ::: zum Glossareintrag geunerkolonie" etwa 360 Roma. Nach der Rückkehr der 19 Überle-benden war von der ehemaligen Heimstätte nichts mehr übrig. Siewar von den Nationalsozialisten dem Erdboden gleich gemacht undneu besiedelt worden. Eine neue Siedlung entstand, die so genannte,, Siedlung bei der Zigeunerbaracke Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeunerbaracke“, die aber bald durch den Zuzugvon Romafamilien anderer Dörfer überfüllt war. Die ersten Haftent-schädigungen Mitte der 1950er Jahre und eine offizielle Ausweitungdes Siedlungsgebiets konnten die Lebensverhältnisse durch den Bauvon Häusern etwas verbessern.
In der Biographie des 1949 dort geborenen und aufgewachsenenStefan Horvath sowie in seinem literarischen Wirken, mit dem ererstmals im Jahr 2002 an die Öffentlichkeit trat, spiegelt sich eingroßer Teil der Zeitgeschichte der Oberwarter Roma wider. SeinEinsatz für das Heraustreten aus der„ teilweise selbstgewählten"Isolation und sein Engagement, aber auch sein kritischer Geist gegen-über der eigenen Volksgruppe, machten ihn zu dem, was man in derKommunikationswissenschaft als einen opinion leader bezeichnen
würde.
Genau erinnert er sich- durchwegs positiv – an seine Kindheit inder Siedlung:
,, Das Leben selber in der damaligen Siedlung beim jetzigen Krankenhausist in der Erinnerung eigentlich ein Schönes, muss ich sagen. Wir hattenja kein Fliesswasser, keinen Strom nicht, und dadurch sind wir eigentlich
29 Samer: Die Roma von Oberwart( wie Anm. 12), S. 26.