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Max Leimstättner
ÖZV LIX/ 108
anbietet. Es versucht somit verspätet das ,, nachzuholen“, was übli-cherweise unmittelbar nach einem Gewaltakt dieses Ausmaßes vonSeiten der örtlichen Behörden in die Wege geleitet wird.4 Trotz derbereits vorher erlittenen Formen massiver Diskriminierung( Aus-grenzung, Rassismus) verknüpft mit dem Gewalttrauma des Attentatsund der überwiegend prekären Lebens- und Wohnverhältnisse, ent-schied sich die Mehrheit der Oberwarter Roma, auch nach dem5. Februar 1995 gemeinsam in der Siedlung ,, Am Anger" wohnen zubleiben. Zum Erstaunen vieler Außenstehender brachten einige Romaund RomavertreterInnen die Kraft auf, in den Tagen und Wochen nachdem Attentat verstärkt auf eine Verbesserung der Lebensverhältnisseinnerhalb der Siedlung hinzuarbeiten: ,, Es[ das Attentat] war sicherder Punkt, wo man gesagt hat,„ Jetzt kann es eigentlich nur mehraufwärts gehen, so groß die Tragödie war, es kann nur mehr aufwärtsgehen“, meint etwa Stefan Horvath, selbst Vater eines Bombenopfers,Siedlungsbewohner und( selbst) kritische Stimme in der Gemein-schaft der südburgenländischen Roma, der mit seinem Engagementviel zum wachsend- positiven Selbstbewusstsein der Roma in derSiedlung beigetragen hat. Doch auch andere Mitglieder der Volks-gruppes ließen sich nicht von ihrem bereits beschrittenen und selbst-bestimmten Weg aus Isolation und Diskriminierung abbringen. In denzehn Jahren, die seit dem Attentat vergangen sind, ist vieles gesche-hen. Der über die letzten Jahre durch die südburgenländischen Romaselbst geleistete Aufbau funktionierender Netzwerke auf kultur- undsozialpolitischer Ebene will allerdings mehr als die Verbesserungeines sozialen Status: ,, Durch das neu erwachte Selbstbewusstseinder Roma in Österreich und durch die Gründung von öffentlichenVertretungen[...] hat sich auch im Umgang mit der eigenen Kulturvieles geändert.“
Mitarbeitern des Wiener psychosozialen Zentrums ESRA. ESRA( Hebräisch für,, Hilfe“) bietet medizinische, therapeutische und sozialarbeiterische Versorgungfür Opfer der Shoa und deren Nachkommen.
4 Als Referenzbeispiel hierfür kann ein ebenfalls von Franz Fuchs verübtes( missglücktes) Bombenattentat in einer Klagenfurter Hauptschule gelten, nachdem eine psychologische Erstbetreuung fraglos durchgeführt wurde.
5 Die staatliche Anerkennung von Roma und Sinti als Volksgruppe erfolgte erst1993 durch einen Beschluss des österreichischen Parlaments. Ich verwende denBegriff, ,, Volksgruppe" in Bezug auf Roma und Sinti in diesem Text allerdingsauch für Ausführungen, die sich mit Ereignissen vor 1993 beschäftigen.
6 Hemetek, Ursula: Zwischen„ Zigeunerromantik Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeunerromantik“ und Widerstand. Musik der