Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde108 (2005) / N.S. 59Becker, Siegfried: Eine Fotodokumentation zur materiellen Kultur Rumäniens des Tsiganologen Martin Block (1891–1972)

  
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Eine Fotodokumentation zur materiellen Kultur Rumäniens des Tsiganologen Glossar ::: zum Glossareintrag Tsiganologen Martin Block
(1891–1972)
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Siegfried Becker

ÖZV LIX/ 108

spinnende Frauen, die Haartracht der Ungurenerinnen, Frauen im, Nationalkostüm', Webmuster von Frauenblusen. Auf sechs Bildernhat er die Familie eines Popen, Mönche und Nonnen abgelichtet. AnInszenierungen, vielleicht für das anwesende Militär, lassen die be-reits erwähnten Aufnahmen von Volkstänzen denken( 32), die Forma-tionstänze aus Baia de Aramă zeigen.

Dennoch sind bestimmte Schwerpunkte und Perspektiven zu er-kennen, die zeigen, dass es Block im Blick auf die materielle Kulturnicht um die Dinge an sich ging, sondern um ihren Gebrauch durchden Menschen. Besonders deutlich wird dies bei den Bildmotiven vonArbeit und Arbeitsgerät( 32). Die Fotos zeigen Menschen mit Trag-tieren, beim Brotbacken, Hirten beim Viehtrieb und beim Füttern derHunde, Hirten auf Pferden, Wäscherinnen am Fluss, Waldarbeiterbeim Stämmeverladen, Ochsengespanne beim Holzrücken, Koch-höhlen, Backglocken( in Domneşti bei Bukarest), einen Korbflechter,eine Familie beim Essen im Freien, Frauen beim Flachsablegen,Schafschur, Getreideernte, Dreschen, Pflügen mit Ochsen und Acker-jungen( der das Gespann zu führen hatte). Zu den wenigen Aufnah-men, die dem Gerät selbst galten und nicht die mit ihm arbeitendenMenschen mit ins Bild rücken, gehört das Foto eines Webstuhls fürTeppiche im Kloster Horezu( Bezirk Vîlcea). Auch unter den Aufnah-men von Fischzäunen, Teichen und Fischwehren( 15), meist ausComana oder vom Kloster Cernira, finden sich einige, die Menschenbeim Fischfang oder mit Netzen und Reusen zeigen. Die beidenBilder eines Melonenhändlers am Kloster Cernira bei Bukarest( Nr. 519 und 521) zeigen nicht nur Blocks Interesse am wirtschaftli-chen und kulturellen Austausch, sondern auch seine Wahrnehmungder Klöster in den wirtschaftlichen Beziehungen zu ihrer Umgebung,nicht zuletzt zu den Roma.

Nur wenige Aufnahmen von Roma sind in dem Konvolut enthalten( 6); es sind zudem die einzigen nicht bezeichneten Bilder, nur Bild74 ist auf der Rückseite beschrieben ,, Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag  Zigeuner vor ihrem Haus,Piteşti, also in der Stadt Piteşti, Bezirk Argeş. 28 Die übrigen Aufnah-men einer Waren feilbietenden Frauengruppe( Nr. 139) und einer

28 Block: Materielle Kultur( wie Anm. 7), S. 36f, erwähnte die im Winter Stadthäu-ser bewohnenden, im Sommer wandernden Gruppen der Cositorari und Ursari,die er vor allem in den Städten der Donauebene, in Turnu Măgurele, Zimnicea,Corabia, Alexandria, Rosiori de Wede, Craiova, Piteşti, Bukarest und Dobreniangetroffen hat.