Jahrgang 
108 (2005) / N.S. 59
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2005, Heft 2-3

Literatur der Volkskunde

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der beim Friedensschluss von Karlowitz die neuen Landesgrenzen festlegte.Während der Kriegspausen fertigte er ausgezeichnete Karten über die Ge-biete an der Donau, an den Flüssen Maros, Temes und Béga, sowie über dieGebiete der Ost- und Süd- Karpaten an. Marsigli vermass auch über sechzigBurgen und Gebäuderuinen aus römischer Zeit. Er stellte eine vom Kahlen-berg über Wien bis zum bulgarischen Fluss Jantra, bis Ruse und Giurgureichende, aus 18 Abschnitten bestehende Donau- Karte zusammen. Wäh-rend seiner Arbeiten sammelte er außerdem noch Mineralien, Pflanzen,Tiere, Steininschriften, Urkunden, Bücher, und Handschriften. Er war einwahrer Polyhistor seiner Zeit und wurde von zahlreichen europäischenFachleuten unterstützt.

Die einführende Studie in der ungarischen Ausgabe von Marsiglis Werk,, Die Entdeckung der Donau von András Antal Deák, die die Tätigkeit unddas Lebenswerk von Marsigli beleuchtet, basiert auf den Forschungen vonDeák im Marsigli- Nachlass Bologna, in der Österreichischen Nationalbi-bliothek und im Kriegsarchiv Wien. Die Forschungen brachten mehrereverloren geglaubte Marsigli- Karten ans Licht. Deák stellt in seiner Studiedie sechs Marsigli- Bände vor und gibt den ersten Band sowohl in originalerlateinischer, als auch in ungarischer Sprache heraus. Marsigli hat im Titelseines Werks den ungarischen und serbischen Donauabschnitt hervorgeho-ben, behandelt aber auch den Wiener, den niederösterreichischen, den bur-genländischen, slowakischen, kroatischen, bulgarischen und rumänischenAbschnitt der Donau. Beginnend mit der Donau- Karte, werden die Geogra-fie des Königreichs Ungarn, die Donauländer und Komitate vorgestellt.Marsigli stellte fest, dass es auch Komitate gab( z.B. Komorn und Gran),die sich an beiden Seiten der Donau befinden. Er beschrieb die an der Donauliegenden Siedlungen, Städte, Burgen, Festungen, Marktflecken und Dörfer.Das Kapitel ,, Die größeren Völker und Nationalitäten an der Donau" wirdvermutlich die Aufmerksamkeit der Volkskundler erregen. Demnach wur-den die Donauländer bis Pressburg von Deutschen, davon östlich undsüdlich von Ungarn, Raizen und Walachen bewohnt. Unter Raizen verstehtMarsigli alle südslawischen Völker, die Kroaten, Serben, Bosniaken undauch die Bulgaren, also alle Völker, deren nationale Erneuerungsbewe-gungen erst nach der Befreiung aus der Türkenherrschaft, im 19. Jahrhundertbegannen. Über die Serben schreibt er: ,, Nach mehr Land suchend wandernsie in Gebiete, wo der siegreiche Krieg der Zeit dient, und zerstreuen sichin verschiedene Gebiete. Sie siedeln häufig an Gewässern, um dem Fisch-fang nachgehen zu können. Ihre Unterkünfte bauen sie aus Materialien undmit Methoden, die es ihnen erlauben, die Häuser schnell ab zu reißen undsich anderswo ansiedeln zu können, wenn es ihnen und ihren Anführern sogefällt. Daraus folgt, dass der Platz, der heute noch bewohnt ist, morgen