2005, Heft 2-3
Moser, Schmidl, Trebitsch& Co.
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lung des Wiener Volkskundevereins Sorgen zu machen und, nachdemdiese einen ,, festlichen und anregenden Verlauf" genommen¹¹, in derVereinszeitschrift einen begeisterten Bericht darüber inklusive all derdort gebotenen einschlägigen Vorführungen wie Preisjodeln, Bre-cheltanzspiele oder Maibaumumschneiden zu geben? Ist diese Be-schäftigung mit Volkskultur, mit„, deutscher“ Volkskultur notabene,als Versuch einer ,, Konfirmation von Verlässlichkeit und Sicherheit"zu verstehen, als der Versuch eines im Fremdstereotyp notorisch,, Heimatlosen", die eigene Präsenz zu legitimieren, als jene ,, versuch-te Erdung" also, von der Konrad Köstlin in diesem Zusammenhanggesprochen hat? Oder erweist sich Heinrich Moses, ganz im Gegen-teil, schlicht als Beispiel und Beweis jener Auffassung, wonach diekulturelle und soziale Sonderstellung der Juden in der Habsburger-monarchie vor allem von der Tatsache geprägt gewesen ist, dass esein spezifisches Bewusstsein um eine solche jüdische Sonderstellungund also ein gemeinsames„ jüdisches Bewusstsein“ schlicht nichtgegeben hat? Dass also, um es mit der Radikalität Ernst Gombrichs43zu sagen, der Begriff einer jüdischen Kultur erst von Hitler und seinenVor- und Nachläufern erfunden worden ist?
Viele sehen das differenzierter, Marsha Rozenblit etwa, die voneiner ,, dreifachen Identität“ der österreichischen Juden im ausgehen-den 19. Jahrhundert spricht- der Identität von Menschen, die sichzum einen politisch( in Loyalität zum habsburgischen Vielvölkerstaatund dessen Dynastie) als Österreicher verstanden, die sich zum an-dern als Träger deutscher Kultur( und zugleich der Lebensart deut-schen, in der Regel städtischen[ Groß-] Bürgertums verpflichtet) fühl-ten und die sich zum dritten( last, not least, aber eben nicht an ersterStelle) auch bei gegebener Akkulturation und Assimilation ethnischals Angehörige der jüdischen Volksgruppe sahen.44 Aber darauf soll
41 Moses, Heinrich: Bericht über die I. Wanderversammlung des Vereins für österr.Volkskunde. In: ZföV 2, 1896, S. 337f.
42 Köstlin, Konrad: Versuchte Erdung. Oder: Der„ jüdische Beitrag“ zur WienerKultur. In: Raphaël, Freddy( Hg.): das Flüstern eines leisen Wehens..."
Beiträge zur Kultur und Lebenswelt europäischer Juden. Festschrift für UtzJeggle. Konstanz 2001, S. 451-466.
43 Gombrich, Ernst H.: Zum Wiener Kunstleben um 1900. In: Ders.: JüdischeIdentität und jüdisches Schicksal. Eine Diskussionsbemerkung. Hg. von EmilBrix und Frederick Baker. Wien 1997, S. 33-54, S. 33.
44 Rozenblit, Marsha L.: Segregation, Anpassung und Identitäten der Wiener Judenvor und nach dem Ersten Weltkrieg. In: Botz, Gerhard u.a.( Hg.): Eine zerstörte