2005, Heft 2-3
Moser, Schmidl, Trebitsch& Co.
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und insbesondere das„ Judenthum als Cultur- Element“ zu würdi-gen.23 Und andererseits soll erinnert sein an den Schriftsteller undGralsbündler Richard Kralik, der allmählich vom Verfechter einesösterreichischen Staatsmythos christlicher Prägung zum Exponenteneiner prononciert antisemitisch getönten katholisch- deutschnationa-len Romantik mutierte 24 und der dann etwa anno 1919 in JosefEberles ,, Neuem Reich“ eine„ provisorische Volkshymne“ für diejunge Republik publiziert hat, in der unermüdlich in insgesamt fünfStrophen zu je acht Zeilen der Einleitungsvers„ Gott erhalte, Gottbeschütze/ vor den Juden unser Land!“ variiert und repetiert wird.25
Aber auch Michael Haberlandt selbst spiegelt in seiner Person dieVerschiebung der politischen Tektonik in der Monarchie ab denspäten Neunzigerjahren.26 Haberlandt, der zunächst, zumindest vonseiner Familientradition her, doch wohl dem liberalen Lager zuzu-rechnen ist- immerhin vermerkt die Familienlegende, dass sein Vateranno 1848 mit dem ungarischen Freikorps gegen Wien marschiertwar27-,Haberlandt also folgte in seinen Veröffentlichungen nichtselten durchaus auch zeitgeistiger Stereotypik. Etwa in seinen„ mitleichter, schneller Feder" 28 verfassten völkerkundlichen Überblicks-darstellungen, in denen er beispielsweise ausführt, wie ,, das Juden-problem vom ethnologischen Gesichtspunkt vollständig den Chine-
23 Zit. ebda. Allgemein zu Dumba siehe Konecny, Elvira: Die Familie Dumba undihre Bedeutung für Wien und Österreich(= Dissertationen der Universität Wien,179). Wien 1986.
24 Czeike, Felix: Historisches Lexikon Wien in 5 Bänden. Wien 1992/1997; sieheetwa auch Kralik, Richard: Tage und Werke. Lebenserinnerungen. Wien 1922;ders.: Etwas von und über Richard Kralik. Eine Auswahl aus seinen poetischenund prosaischen Werken. Hg. von den Reichsbünden der kath. deutschen JugendÖsterreichs und der Tschechoslowakei. Wien 1926; Stachelberger, Alfred: Ri-chard Kralik, der große Kultur-, Geschichts- und Dichterphilosoph. Ein fastvergessenes Säkulargenie(= Wiener katholische Akademie- Miscellanea, DritteReihe, Nr. 56). Wien 1985.
25 Das neue Reich, Nr. 18 vom 30.1.1919, S. 31.
26 Allgemein dazu Seliger, Maren, Karl Ucakar: Wien. Politische Geschichte 1740-1934. Entwicklung und Bestimmungskräfte großstädtischer Politik. Teil 2: 1896-1934(= Geschichte der Stadt Wien 2). Wien, München 1985.
27 Und Gottlieb Haberlandt, der Familienchronist, vergisst auch nicht zu erwähnen,dass Friedrich Haberlandt ,, auch an politischen Dingen lebhaften Anteil nahm.Seinen achtundvierziger demokratischen Idealen ist er zeitlebens treu geblieben.Deutschtum und Weltbürgertum waren ihm keine Gegensätze“; Haberlandt, Gottlieb:Erinnerungen. Bekenntnisse und Betrachtungen. Berlin 1933, S. 16 und 13.
28 Schmidt( wie Anm. 8), S. 20.