2005, Heft 2-3
Moser, Schmidl, Trebitsch& Co.
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so dass[ ihm] in Fällen der Supplierung schwer fällt, Disziplin zuhalten. Auch außerhalb der Schule sei er wegen seines Namens demSpotte ausgesetzt.[...] Ein Glaubenswechsel liegt nicht vor. MitRücksicht auf den Beruf des Gesuchstellers und die vorgekommenenVerspottungen, ferner in Anbetracht des anerkannt ersprießlichenWirkens, wäre[...] dem Gesuche Folge zu geben.“ 16 Diese Ausfüh-rungen, nicht zuletzt der ausdrückliche Hinweis auf das Fehlen einerKonversion, lassen wenig Zweifel über die Gründe für den Namens-wechsel und Moses hätte also damit einen seinerzeit nicht unübli-chen( wenn auch in aller Regel vergeblichen) Versuch gemacht, sichden Anfeindungen eines antisemitischen Umfeldes zu entziehen.
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Solchen Anfeindungen sah er sich bereits früher ausgesetzt, etwaanlässlich der von ihm organisierten Ersten Wanderversammlung desVereins für Volkskunde, die diesen im Mai 1896 nach Gloggnitz undalso in seine engere Heimat führte. Damals war, wie Moses in einemBrief an Michael Haberlandt ausführt, von einem ,, christlich- socialgesinnten Unterlehrer in Gloggnitz gegen unsere Versammlung" inZeitungsartikeln„ agitiert“ und bei dieser Gelegenheit Haberlandt&Co. bemerkenswerterweise pauschal als ,, judenliberaler Verein“ apo-strophierte worden¹7 was zwar eine seinerzeit bei einschlägigerParteiklientel, die sich zeitgeistigem ,, Antisemitismus“ verschriebenhatte, eine gängige Wortkombination gewesen ist, angesichts derdamaligen Mitgliederstruktur des Wiener Volkskundevereins aberdoch einer gewissen Ironie nicht entbehrt.
Michael Haberlandt hatte ja bei der Gründung von Verein, Museumund Zeitschrift für Volkskunde anno 1894 in verschiedener Hinsichtrecht heterogene Interessenten um sich gesammelt, die weder insozialer noch in weltanschaulicher Hinsicht als einheitlich bzw. konformbezeichnet werden können. So relativiert beim Versuch, das gesell-schaftliche Umfeld des Wiener Vereins knapp anzudeuten, 18 ein Blick inseine Mitgliederlisten die vereinsgeschichtlich gern gebrauchte Rede
16 NÖLA, Nö. Regierung 1903-1935( Dep. XVII/ XIII), Z. 5664/1912( Karton2583 V- 49- g)( mit Dank an Dr. Waltraud Winkelbauer, Nö. Landesarchiv).17 Brief von Heinrich Moses an M. Haberlandt vom 7.5.1896, Archiv der Vereinsfür Volkskunde, K 1, M 3.
18 Siehe dazu Nikitsch, Herbert: Helfert- Thirring- Grössl. Biographisches ausden Anfängen des Vereins für österreichische Volkskunde. In: Grieshofer, Franz,Margot Schindler( Hg.): Netzwerk Volkskunde. Ideen und Wege. Festgabe fürKlaus Beitl zum siebzigsten Geburtstag(= Sonderschriften des Vereins fürVolkskunde in Wien 4). Wien 1999, S. 165–183.