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Christian F. Feest
ÖZV LIX/ 108
bereits signifikante Sammlungen aus diesem Bereich angelegt wor-den, auch wenn der Platz in den Schausälen nicht dazu ausreichte, sieauch zur Aufstellung zu bringen. In seinem 1896 erschienenen Auf-satz ,, Die Zukunft der ethnographischen Museen" argumentiert He-ger( 1896, S. 5) entschieden für die Einbeziehung der Lebensweiseder ,, tieferen Volksschichten Europas“ in die Darstellung der ethno-graphischen als eigentlich kulturhistorischen Museen. Vor dem Hin-tergrund der in anderen Städten der Monarchie entstehenden nationalorientierten ethnographischen Museen war dieser Mangel für Haber-landt auch ein politisch gewichtiges Argument für ein eigenes Muse-um für österreichische Volkskunde, das sich über den Zuspruch vonGönnern und Besuchern nicht zu beklagen hatte. Heger muss esbesonders geschmerzt haben, dass selbst sein alter Kollege und Stell-vertreter Szombathy durch Sammeltätigkeit für das neue MuseumHaberlandt unterstützte. Überdies bot die neue Institution Haber-landt eine Perspektive, dem auf unabsehbare Zeit andauernden Ab-hängigkeitsverhältnis an seiner eigentlichen Dienststelle zu entrin-
nen.
Heger reagierte auf diese Strategie des Kustosadjunkten am24. November 1896 mit einer Beschwerde über seine MitarbeiterHaberlandt und Hein an den soeben ins Amt gekommenen neuenIntendanten des Naturhistorischen Hofmuseums Franz Steindachner,zweifellos auch im Hinblick auf die anstehende Beförderung Haber-landts zum Kustos II. Klasse. 10,, Waren die Leistungen dieser beidenHerren im Vorjahr schon höchst ungenügende,“ klagt Heger ,,, so sinddieselben in diesem Jahre als geradezu kläglich zu bezeichnen. Derergebenst Gefertigte hat es schon zu Ende des vorigen Jahres als seinePflicht erachtet, auf die ungenügenden Leistungen der beiden genann-ten Herren beim vormaligen Intendanten, Herrn Hofrath v. Hauernachdrücklichst aufmerksam zu machen, ohne dass derselbe jedochVeranlassung zu nehmen für gut fand, etwas zur Besserung dieser
Weltausstellung in Paris im Jahr 1878 dazu veranlasst, das Sammeln europäischerEthnographie in sein 1876 formuliertes Konzept für die Anthropologisch- Ethno-graphische Abteilung aufzunehmen:„ Diese Sachen müssen auch gesammeltwerden."
9 Michael Haberlandt an Josef Szombathy, 15. Oktober 1896( Fundaktenarchiv,Prähistorische Abteilung des Naturhistorischen Museums, Akt Haberlandt).10 Franz Heger an den Intendanten des k.k. Naturhistorischen Hofmuseums, 24. No-vember 1896( Archiv für Wissenschaftsgeschichte, Naturhistorisches Museum,Allgemein GR- HE, Akt Haberlandt, Dr. Michael).