2005, Heft 2-3
Haberlandtiana
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siert. Heger vidierte anfangs die von Haberlandt geschriebenen In-ventarbögen, ließ ihm aber danach offenbar freie Hand.
1887 wurde das Team der ethnographischen Sammlung durchWilhelm Hein vermehrt, einen Schüler des( mit Friedrich Müllernicht verwandten) Semitisten David Heinrich Müller. Der gegenüberHaberlandt um einige Monate jüngere Hein hatte zusätzlich Ethno-graphie bei dem 1882 im Fach Geographie habilitierten Afrikareisen-den Philipp Paulitschke studiert und teilte mit seinem Bruder Rai-mund, einem Professor an der Akademie der bildenden Künste inWien, ein Interesse an außereuropäischer Stammeskunst, insbeson-dere jener der Dayak in Borneo. Hein war anfangs als Volontär mitder Umnummerierung der Objekte beschäftigt, die sich aus der Tren-nung des ursprünglich gemeinsamen Inventars der Abteilung in dreieigene Sammlungsinventare ergeben hatte, und widmete sich danachder Inventarisierung der ethnographischen Fotosammlung, der Bi-bliothek und diversen Schreibarbeiten.
Im Mai 1888 erlitt Haberlandt einen schweren Schicksalsschlagdurch den Tod seines damals einzigen Kindes. Der von Heger ausdiesem Anlass befürwortete vierwöchige Erholungsurlaub ist auchaus einer Lücke in Haberlandts Inventarisierungstätigkeit abzulesen.Haberlandts Sohn Arthur kam ein Jahr später, 1889, zur Welt.
Die im selben Jahr erfolgte Eröffnung des Naturhistorischen Mu-seums war ein einschneidendes Ereignis auch für die ethnographischeSammlung. Das rasche Wachstum der Bestände hatte laufende Um-stellungen der Ausstellungskonzeption mit sich gebracht- ein Zu-stand, der bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs anhalten sollte.Die ersten sieben Monate des Jahres 1889 waren zur Gänze derFertigstellung der Einrichtung der Schränke gewidmet( Jahresbericht1889, S. 32). Auch wenn Haberlandt in diesem Zusammenhang nichtnamentlich erwähnt wird, kann man davon ausgehen, dass er sichdaran beteiligte, da er seine Inventarisierungstätigkeit zwischen Ja-nuar und August 1889 einstellte. Auffallend ist, dass danach Hegerdie Vidierung von Haberlandts Inventarisierung wieder aufnahm- seies, weil er nach dem abgeschlossenen Aufbau der Sammlung wiederZeit dafür fand, sei es, weil er Haberlandts Leistung in diesem Bereichzunehmend kritisch gegenüberstand.
6 Franz Heger an den Intendanten des k.k. Naturhistorischen Hofmuseums,18. Mai 1888( Entwurf, Fundaktenarchiv, Prähistorische Abteilung des Naturhis-torischen Museums, Akt Haberlandt).