Aufsatz in einer Zeitschrift 
Haberlandtiana : Michael Haberlandt an der anthropologisch-ethnographischen Abteilung des k.k. Naturhistorischen Hofmuseums, 1885-1911
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Christian F. Feest

ÖZV LIX/ 108

Institutionen verstreuten Sammlungen beschäftigt war, vollzog 1886eine Trennung der von Hochstetter als Einheit konzipierten Abteilungin drei weitgehend selbständige Sammlungen für( physische) Anthro-pologie, Prähistorie und Ethnographie, wohl auch um seinem gleich-altrigen Studienkollegen Josef Szombathy, der seit 1878 an der Abtei-lung wirkte, größere Selbstständigkeit bei der Leitung der anthropo-logischen und prähistorischen Sammlungen zu gewähren, währendsich Heger neben der Leitung der Abteilung insbesondere dem Aufbauder ethnographischen Sammlung widmete( Heinrich 2003, S. 4-6).

Haberlandt stammte, in den Worten des späteren Intendanten desNaturhistorischen Museums Franz Steindachner ,,, aus einer angese-henen Familie deren Mitglieder fast durchaus geistig lebhaft ver-anlagt sind, womit aber eine gewisse Voreiligkeit und Hastigkeitverbunden zu sein scheint.5 Der Philologe hatte schon 1883 unterdem Pseudonym Heinrich Schenk in der Wiener landwirtschaftlichenZeitung den Aufsatz ,, Ein indisches Herbstbild" veröffentlicht undbegann im Jahr seines Eintritts in den Museumsdienst mit der Ver-öffentlichung des Büchleins Indische Legenden( 1885) eine regeschriftstellerische Tätigkeit zu entfalten, die insbesondere auchethnologische Arbeiten in den Mitteilungen der eng mit der Abteilungverbundenen Anthropologischen Gesellschaft umfasste. Seine ersteAufgabe an der Abteilung bestand in der Anfertigung von Skizzen fürdie ,, Austheilung der Objecte in den einzelnen Schränken" unterAnleitung Hegers( Jahresbericht 1885, S. 17), ab 1887 jedoch inerster Linie in der Inventarisierung der Sammlungsgegenstände, diebislang von Heger durchgeführt worden war, der sich nun vor allemder Aufstellung der Objekte widmete, für die der Präparator FranzGrössl auf einer eigens angeschafften Druckerpresse die Beschrif-tungen herstellte( Jahresbericht 1887, S. 28). Die 1887 geäußerteVermutung, dass die Inventarisierung noch Monate in Anspruch neh-men werde, erwies sich als gelinde Untertreibung. Tatsächlich gelanges Haberlandt zwischen Mai und Oktober 1887 die mehr als 3100 in denJahren 1885 und 1886 erworbenen Gegenstände aufzunehmen, aber erstim Januar 1889 waren auch die über 6400 Erwerbungen der Jahre 1887und 1888 inventarisiert und damit die Buchführung zur Gänze aktuali-

5 Franz Steindachner an Oberstkämmereramt, 19. Juni 1906( Entwurf, Archiv fürWissenschaftsgeschichte, Naturhistorisches Museum, Allgemein GR- HE, AktHaberlandt, Dr. Michael).