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Christian F. Feest
ÖZV LIX/ 108
geprägt durch eine für die Professionalisierung der Ethnologie inÖsterreich wichtige akademische Karriere bis zur Verleihung desTitels außerordentlicher Professor am 2. Juli 1910, durch seine zen-trale Rolle bei der Institutionalisierung der Volkskunde in Österreichals Mitbegründer des Vereins für österreichische Volkskunde 1894und des Museums für österreichische Volkskunde 1895, aber auchdurch einen bitteren Langzeitkonflikt mit seinem unmittelbaren Vor-gesetzten, dem um sieben Jahre älteren unpromovierten GeologenFranz Heger. Dieser Konflikt, der im Rahmen der von volkskundli-chen Interessen geprägten bisherigen biographischen Beschäftigungmit Michael Haberlandt vergleichsweise geringe Beachtung gefun-den hat, steht im Mittelpunkt der folgenden Betrachtungen.
Vorausschickend muss bemerkt werden, dass die Quellen zu die-sem Aspekt der Lebensgeschichte von Eugenie Goldsterns Lehrer, diein der relativ kurzen zur Vorbereitung dieser Ausführungen zur Ver-fügung stehenden Zeit erschlossen werden konnten, relativ dürftigwaren. Sie bestehen neben gedruckten Quellen, wie den Jahresberich-ten des Naturhistorischen Museums, einerseits aus den äußerst frag-mentarischen Aktenbeständen im Archiv für Wissenschaftsgeschich-te des Naturhistorischen Museums in Wien und im Fundaktenarchivder Prähistorischen Abteilung derselben Institution, andererseits ausden handschriftlichen Inventarbänden des Museums für VölkerkundeWien für die Jahre 1885 bis 1909, in denen sich auf mehreren TausendSeiten nicht allein die physische Manifestation von Haberlandtshauptsächlicher Tätigkeit dieser Jahre vorfindet, sondern auch diekritischen Anmerkungen späterer Nutzer, darunter insbesondere dievon beiẞendem Spott triefenden Randnotizen Franz Hegers.4 Haber-landts eigene Sicht dieses Konflikts bleibt dabei weitgehend im
3 Über eigenen Antrag wurde Haberlandt am 1. Oktober 1912 in den Staatsdienst( 2. Gehaltsstufe der VI. Rangklasse) als Direktor des Museums für österreichi-sche Volkskunde übernommen und gleichzeitig aus seiner Stellung als Kustos I.Klasse am Naturhistorischen Museum entlassen( Erlass des Oberstkämmerer-amts vom 28. Juli 1912, Fundaktenarchiv, Prähistorische Abteilung des Natur-historischen Museums, Akt Haberlandt).
4 Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Frau Mag. Christa Riedl- Dorn undHerrn Robert Pils für ihre freundliche Unterstützung im Archiv für Wissen-schaftsgeschichte des Naturhistorischen Museums und Frau Dr. Angelika Hein-rich in der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums. Frau Dr.Margit Krpata ist für ihre leider ergebnislose Suche nach weiteren Archivalienim Archiv des Museums für Völkerkunde Wien zu danken.