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Ueli Gyr
ÖZV LIX/ 108
in Erfahrung bringen, wie es nach der Umgestaltung eines Haufen-dorfs zu einem Reihendorf um die berühmt gewordenen Stallwoh-nungen stand, die Eugenie Goldstern als typische Wohnweise derEinheimischen beschrieben hatte, abseits übrigens jeder Binnen-exotik dargestellt. In den unversehrt gebliebenen Bauernhäusern exi-stierten solche Stallwohnungen 1967 nach wie vor. Erstaunen löstebei den Zürchern aber der Rückgriff auf das herkömmliche Wohn-prinzip in den zweigeschossigen Neubauten aus. Hier sollten nämlichStall und Wohnung nun getrennt werden, womit sich die Einhei-mischen aber offenbar schwer taten und sich auch wehrten. So ent-stand schließlich eine Mischform: Gelebt wurde immer mehr inKüche, Stube und Schlafzimmer, aber ein Durchgang zum Stall miteiner wärmenden„, Winterecke“, zwar nunmehr mit halber oder gan-zer Zwischenwand abgetrennt und ohne Kastenbetten, setzte sichbaustrukturell durch. Zwischen den Bewohnern alter Bausubstanzenund den Bewohnern von Nachkriegshäusern entstanden aufgrundeiner als ungerecht empfundenen Privilegierung auch Spannungen.
Im Hausrat widerspiegelte sich 1967/68 eine alpine Kulturretardie-rung des Bergdorfes und seine Anpassung an die Moderne eindrück-lich. Sie wurde am( einheimischerseits unproblematisch erlebten)Nebeneinander von archaischen und technischen Gebrauchsgegen-ständen abgelesen und dokumentiert. Anstelle der älteren offenenFeuerstelle( Kamin) stand nun der gusseiserne Herd bzw. der neueingeführte Holzsparherd oder auch das Butangasréchaud. Den älte-ren Petrollampen folgten Butangasstrümpfe sowie einfachste Glüh-birnenfassungen, während ständige Warmwasseraufbereitung überBoiler in den neuen Wohnungen offenbar nach wie vor selten anzu-treffen waren.
Ein gewisses konservatives Verharren im Bereich von traditions-geprägten Gewohnheiten, Arbeitsvorgängen und Bräuchen imkommunalen wie im privaten Alltagsleben wurde festgestellt. Dieserstaunte die Zürcher Gruppe insofern, als Berührungen mit groß-städtischem Leben für einen Teil der Einheimischen zumindest ei-gentlich nichts Fremdes waren. Der Zusammenhang ergibt sich sehreinfach über eine temporäre Migrationspraxis, die das Dorf Bessansnämlich auch charakterisiert: Es geht um eine Migration vieler Män-ner und Familien, die sich während 8 bis 9 Monaten in Paris aufhiel-ten, um dort im Taxi- Gewerbe tätig zu sein, nach der Jahrhundertwen-de zuerst als Kutscher. Anfänglich lebten die Migranten alle in Leval-