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Ueli Gyr
ÖZV LIX/ 108
das Ziel“, so Niederer in seinem Kurzbericht wörtlich,„ eine retro-spektive Studie an Hand des Buches von Eugenie Goldstern zuversuchen“.6 Wie wurde das Projekt umgesetzt? Welches waren diewichtigsten Erkenntnisse der Forschungsexkursion? Was ist davongeblieben? Und: Was interessiert davon aus heutiger Sicht?
Das Zürcher Seminar begab sich dreimal nach Bessans, nämlichvom 9. bis 19. Oktober 1967 und dann an Ostern sowie vom 6. bis15. Oktober 1968 für ergänzende Aufnahmen. Ich sage ,, das ZürcherSeminar“, worunter man sich aber präziser eine kleine Arbeitsgruppevorstellen muss, die auf Exkursion ging, wahrscheinlich 15 Personen,wie detektivistische Telefonrecherchen im Januar 2005 ergaben. Eineeigene Lehrveranstaltung ging der Exkursion nicht voraus, die Vorberei-tung erfolgte informell und individuell. Offenbar konnte das Österreichi-sche Museum für Volkskunde dem Zürcher Seminar noch einige Re-stexemplare der Schrift von Eugenie Goldstern überlassen, die denStudierenden als Grundlage dienten. Ihnen kam im Sommer 1967 alserstes die Aufgabe zu, auf der Basis von Goldsterns Untersuchung eingezieltes Frageleitwerk selber zu erarbeiten. Dazu waren kleinere Grup-pen gebildet worden, die schon vor Exkursionsbeginn genau wussten,was sie in welchen Themenbereichen erfragen wollten. Ein befreundeterPhotograph, Paul Guggenbühl, reiste ebenfalls mit, um Hunderte vonethnographischen Aufnahmen zu machen. Von ihm stammen auch zweiFilme, damals im 16- mm- Format und schwarz- weiss gedreht."
Über den Verlauf und die Organisation der Exkursion existierenkeine Protokolle mehr, dafür haben Erinnerungen überlebt. Die Zür-cher Gruppe logierte im Hotel Mont Iséran, dem damals einzigenHotel in Bessans. Sie verfügte dort über einen Arbeitsraum, wo dieethnographischen Explorationen Abend für Abend gemeinsam disku-tiert wurden. Ihnen voraus gegangen waren offizielle Kontakte mitwichtigen Persönlichkeiten und Vermittlern der Gemeinde, darunterder Gemeindepräsident, sein Sekretär und der Pfarrer, die sich amProjekt sehr interessiert zeigten. Die im Volkskundlichen Seminararchivierten Photos belegen im Einzelnen, dass nicht nur Bessans,sondern auch die umliegenden Weiler( Villaron, Goulaz, Vincen-
6 Niederer, Arnold: Kurzbericht von der Forschungsexpedition nach Bessans( Haute Maurienne), 9. bis 19. Oktober 1967. In: Österreichische Zeitschrift fürVolkskunde 73( 1970), S. 301–302, hier: S. 301.
7,, Alltag und Sonntag in Bessans"( 1967, 41 Min.),„, Fest Mariä Himmelfahrt"( 1968, 12 Min.).