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Lust aufs Feld
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2005, Heft 2-3

Lust aufs Feld

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das von ihr gewählte Gebiet universitär noch nicht wirklich etabliertund reichlich diffus. Also weiterhin das Leben einer( nicht mehr ganzjungen) höheren Tochter? Wohl doch nicht. Sie scheint ein ihr Ge-mäßes in der Volkskunde zu erkennen und ist offensichtlich auchbeeindruckt von der Person Michael Haberlandts, der Züge einerVaterfigur für sie bekommt. Sie tritt dem Verein für Volkskunde beiund entdeckt das Museum, lernt so auch Sammlungsprinzipien und,wenn nicht eine konsistente Theorie, so doch ein spätevolutionistischesForschungskonzept kennen: dass Dinge von heute, mit ethnographischenMethoden in abgelegenen Gebieten gesammelt und dokumentiert, aufUraltes zurückweisen und damit Menschheitsentwicklungen veran-schaulichen könnten. So geht sie- offenbar allein- auf Exkursion, wieman überhaupt den Eindruck gewinnt, dass sie das fragmentarischeAusbildungsangebot selbständig zu ergänzen sucht, durch Kontakte,Lektüre und unmittelbare Anschauung. Ein verwandtschaftliches Netzüber mehrere Länder hinweg und ausreichende finanzielle Mittel dürftenihr das erleichtert haben. Die erste Reise führt 1912 ins Wallis, wo seitlängerem auch Leopold Rütimeyer mit einem sehr ähnlichen Ansatzforscht, ohne dass aber, wie Werner Bellwald festgestellt hat, nochKontakte zu ihm bestehen. Man scheint das Wallis eben auch in nicht-akademischen Kreisen für ein lohnendes Gebiet einer( in der begeis-terten Ausdrucksweise des Gelehrten) ,, ursprünglichsten Menschheitzu halten, und bei einer Dame vom Stand Eugenie Goldsterns könnenwir auch literarische Reminiszenzen an Rousseau( der das Val d'Illieznoch furchterregend fand), Goethe und andere annehmen. Auffallend ist,dass die Walliser Monographien F. G. Steblers, die bereits erschienenwaren( darunter eine über Tesseln, die also keineswegs, wie Ottenbachermeint, eine Entdeckung Goldsterns waren), sich nicht zitiert finden. Injener Zeit gelingt es Frau Goldstern aber, in Beziehung zu Arnold vanGennep zu treten, ein Kosmopolit wie sie, der dank eines mehrjährigenAufenthalts in Tschenstochau auch das östlichere Europa, aus dem siekam, kennt. Er darf, neben Vater und Sohn Haberlandt und wohl auchRudolf Trebitsch, als wichtigste Person für ihre wissenschaftliche Ent-wicklung gelten, obwohl er eine ganz andere Richtung vertritt. Wie derKontakt zustande kommt, ist leider nicht bekannt. In Frankreich ist derGelehrte marginalisiert. Die einflussreiche Gruppe um Marcel Mauss

5 In diesem Band, S. 185-212.

6 Leopold Rütimeyer, zitiert von seinem Reisegefährten Fritz Sarasin; Bellwald( wie Anm. 5), Anm. 7.