2005, Heft 2-3 Ethnographische Alpenforschung als ,, public science"
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Was hier mit den Zusammenhängen zwischen alpiner Baufor-schung und alpenländischer Baukultur angedeutet ist³, ist konzeptio-nell gefasst in dem in der angloamerikanischen Wissenschaftsfor-schung etablierten Begriff der„, expository science" 37. Das Konzeptist verbunden mit einer dezidiert interaktionistischen Sicht des Wis-senstransfers und versteht ,, Wissenschaftler, Populisatoren und Öf-fentlichkeit nicht mehr als voneinander getrennte Pole eines linearenProzesses, sondern als Akteure einer wechselseitigen Kommunikationzwischen Produzenten und Rezipienten" 38. Das ermöglicht, wie jüngereArbeiten zu diesem Thema zeigen, ein ,, differenziertes Verständnis desPublikums" 39 und man müsste ergänzen: des Publikums als an derSinn- und Bedeutungskonstituierung beteiligte Akteure.
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Damit werden auch neue Blicke auf wissensgerierende touristischePraktiken möglich, deren Rolle in den Identitäts- und Alteritäts-prozessen einer sich wandelnden Welt längst noch nicht ausreichendbestimmt sind. Denn vieles was heute unter dem Eindruck des Flüs-sigwerdens der Grenzen zwischen akademischer Welt und anderenSphären der Wissensproduktion diskutiert wird 40, scheint in der alpi-nen ethnographischen Praxis( und ihrem weichen Umfeld) präfigu-riert zu sein. Wenn heute zusehends wahrgenommen wird, dass dieFormierung wissenschaftlichen Wissens zu einem guten Teil außen-gesteuert ist und die Erwartungen an die Forschung aus der Öffent-lichkeit heraus formuliert werden, dann kann mit einiger Berechti-gung für die lebensnah auftretenden ethnographischen Disziplinensolches bereits für die Vergangenheit nachgezeichnet werden. DieVolkskunde- im Alpenraum und anderswo – nimmt dabei eine selt-same Zwischenstellung zwischen den stärker von der Nachfrage nachHerrschaftswissen geleiteten Disziplinen und den sinnstiftenden, je
36 Vgl. auch Tschofen, Bernhard: Prädikat:„ ,, alpin“. Tourismus und Architektur imKontext einer Alltagskultur der Moderne. In: GAM. Graz Architecture Magazine01(= Tourism and Landscape). Graz/ Wien 2004, S. 144–159.
37 Shinn, Terry und Richard Whitley( Hg.): Expository Science. Forms and Functi-ons of Popularisation(= Sociology of Sciences, Bd. 9). Dordrecht u.a. 1985.38 Kretschmann( wie Anm. 3), S. 9.
39 Vgl. etwa Schwarz, Angela: Bilden, überzeugen, unterhalten: Wissenschafts-popularisierung und Wissenskultur im 19. Jahrhundert. In: Kretschmann( wieAnm. 3), S. 221-234; hier 223.
40 Zuerst grundsätzlich formuliert bei Gibbons, Michael u.a.: The New Productionof Knowledge. The Dynamics of Science and Research in Contemporary Socie-ties. London 1994.