Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde108 (2005) / N.S. 59Tschofen, Bernhard: Ethnographische Alpenforschung als „public science“

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Ethnographische Alpenforschung als „public science“ : das Elementare als Erlebnisofferte
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2005, Heft 2-3 Ethnographische Alpenforschung als ,, public science"

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trennscharf Produzenten und Konsumenten unterscheiden, noch zei-gen die Genres jene klaren Grenzen, die in anderen Feldern geltenmögen, wo bereits etablierte Fächer ihre populären Medien suchten,um ein breiteres Publikum zu erreichen. Thesenhaft formuliert ließesich behaupten, dass sich die erkenntnisorientierte Beschäftigung mitdem Alpinen nicht, oder jedenfalls nicht allein aus der etabliertenWissenschaft heraus entwickelt, sondern gerade erst durch gemeinsamartikulierte Neigungen, Interessen und Fragen im außerwissenschaftli-chen Feld eine allmähliche Institutionalisierung eingeleitet wird.

Public science: Wissen( schaft) skultur als Interaktion

Alpenforschung ist im gesamten 19. Jahrhundert populäre Praxis undbleibt das auch noch, wenn sie sich da und dort im 20. Jahrhundertakademisch etabliert. Das gilt für die sich im Umkreis der alpinenVereine entwickelnde Laienwissenschaft ebenso wie für die profes-sionelle Forschung, die sich durch eine große Nähe zu populärenDarstellungsformen auszeichnet. Diese Zusammenhänge sind in ihrenGrundzügen gut erforscht, so dass hier etwa der Hinweis auf alpinePräsentationen auf den großen Ausstellungen des 19. Jahrhunderts ge-nügen mag- Ausstellungen übrigens, bei denen oftmals Alpinistischesbzw. Touristisches direkt neben alpine Ethnographica gestellt und zuumfassenden Erlebnisarrangements verdichtet worden ist. So agiertendie Alpenvereine bei ihren öffentlichen Auftritten etwa nicht nur alsProduzenten guten Führer- und Kartenmaterials wie auch als Agentender steten Verbesserung alpinistischer Ausrüstung, sondern sie machtensich auch zu Schaltstellen der Dokumentation und Präsentation der inden Alpen als Volkskultur ausgemachten Verhältnisse.

Als Beispiel mögen die Emblematisierungsprozesse um eine, alpi-ne Architektur' gelten.31 Christine Burckhardt- Seebaß hat sich ein-dringlich mit dem Transfer der Bedeutungen zwischen ,, Village Suis-se", Schweizerhaus- Stil und Heimatschutz beschäftigt. 32 Eine regel-

31 Im wissenschaftsgeschichtlichen Kontext untersucht bei Huwyler, Edwin:Schweizerische Hausforschung. Ein Beitrag zu ihrer Geschichte. In: Jahrbuchdes Schweizerischen Freilichtmuseums Ballenberg 1( 1996), S. 15–136.32 Burckhardt- Seebaß, Christine: Gedanken zur Dauerhaftigkeit des SchweizerChalets. In: Reinhard Johler, Herbert Nikitsch, Bernhard Tschofen( Hg.): Ethni-sche Symbole und ästhetische Praxis in Europa(= Veröffentlichungen des Insti-tuts für Volkskunde der Universität Wien 17). Wien 1999, S. 76-95.