Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde108 (2005) / N.S. 59Bellwald, Werner: „... Jahrtausende lang zäh und unveränderlich ...“

  
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„... Jahrtausende lang zäh und unveränderlich ...“ : Reliktforschung in der Fortschrittseuphorie : zur wissenschaftlichen Verortung des Ethnographen Leopold Rütimeyer
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Werner Bellwald

ÖZV LIX/ 108

gen Volkskunde. Weiter suchte ich für dieses Referat nach Quellen,um eventuelle Verbindungen des bekannten Schweizer Forschers mitÖsterreich und den hiesigen EthnographInnen zu erhellen. Zu ver-suchen ist ferner eine Beurteilung jener in vergangene Jahrtausendezurückblickenden Forschung, während die Welt vorwärts schaute undden Fortschritt feierte.

2. Arzt, Ethnologe, Enthusiast. Der biographische Rahmen³

Wer war dieser Leopold Rütimeyer, über den und dessen Ur- Ethno-graphie nach jahrzehntelanger Pause nun in Zusammenhang mitEugenie Goldstern und mit dem Primitivismus in der Volkskundewieder gesprochen wird?

1856 kommt Rütimeyer als Sohn der Laura Fankhauser und desberühmten Zoologen Karl Ludwig Rütimeyer in Basel zur Welt,durchläuft hier die üblichen Schulen, studiert Medizin in Basel undLeipzig, absolviert 1881 das Staatsexamen und geht zu Studienauf-enthalten nach Wien, Leipzig und Berlin hier trifft er auch RudolfVirchow, Lehrer von Bastian und mit diesem zusammen Gründer derGesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, dochwissen wir nichts Näheres über etwaige kulturelle Früchte dieserKontakte. Nach zwei Jahren Assistenz wirkt Rütimeyer 13 Jahre alsSpital- und Landarzt in der Basler Vorortgemeinde Riehen, ver-heiratet sich in dieser Zeit( 1884), reicht seine Habilitation ein undwird Privatdozent an der Medizinischen Fakultät der UniversitätBasel( 1887), später ausserordentlicher Professor( 1907). ,, Alle seinefreie Zeit war damals dem Mikroskop gewidmet, wird es später ineinem Nachruf heissen.5 Rütimeyer ist ein engagierter, erfolgreichpraktizierender sowie forschender und publizierender Arzt: Aus derweiteren Umgebung und aus den benachbarten Städten reisen Patien-

3 Bei der folgenden Skizze stütze ich mich auf die Nekrologe und besonders aufdie 1961 erschienene, aufschlussreiche Dissertation über Rütimeyer von WernerStöcklin: Der Basler Arzt Leopold Rütimeyer( 1856-1932) und sein Beitrag zurEthnologie. Diss., Basel 1961.

4 Rütimeyer, Willy: Professor Dr. med. et phil. h.c. Leopold Rütimeyer, 1856-1932. In: Verhandlungen der Schweizer. Naturforschenden Gesellschaft. Altdorf1933, S. 469-478, hier S. 469.

5 Sarasin, Fritz: Prof. Leopold Rütimeyer, Dr. med. et phil. h.c., 1856-1932. In:Basler Jahrbuch 1934, S. 1-11, hier S. 2f.