Aufsatz in einer Zeitschrift 
„Archéocivilisation“ : André Varagnac – nachgelesen : mit einem Anhang: Bibliographie von André Varagnac : Erstellt von Régis Meyran über Vermittlung von Jacqueline Christophe
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2005, Heft 2-3

,, Archéocivilisation"

III. André Varagnac und sein Begriff ,, Archéocivilisation

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Der Terminus Archéocivilisation als solcher scheint in VaragnacsBibliographie erstmals im Jahr 1947 in seinem programmatischenArtikel ,, L'archéocivilisation: une nouvelle science synthétique"auf.12 Damals befand sich Varagnac bereits im, Abseits zur quasioffiziellen französischen Volkskunde um das Pariser Volkskundemu-seum unter der Direktion von Georges Henri Rivière.

Zahlreiche wissenschaftlich- analytische Einzelstudien Varagnacssind diesem Grundsatzartikel vorausgegangen. Seine theoretischenÜberlegungen werden im Anschluß an seine Habilitationsschrift 1948in seinem Buch ,, Civilisation traditionnelle et genres de vie zusam-menfassend dargestellt. 13 An dieser Stelle sei angemerkt, dass sich einseinerzeit offensichtlich Leopold Schmidt zugedachtes Exemplar die-ses Werkes in der Bibliothek des Österreichischen Museums fürVolkskunde( Inv.-Nr. 7159) befindet mit einer Widmungsinschrift,, En cordial hommage- A. Varagnac, 16.VII.1948". Damit sind dienach dem Zweiten Weltkrieg frühzeitig etablierten persönlichen Kon-takte zwischen Paris und Wien bekundet.

Im Gegensatz zu den zeitgenössischen Vertretern der Volkskundein Frankreich wie Pierre Saintyves und Arnold Van Gennep, die sicherklärtermaßen für die faits vivants der Folklore, d.h. für ein zwaraltes, herkömmliches, sich aber stets erneuerndes Ensemble vonErscheinungsformen der Volkskultur interessieren, vertritt Varagnacden Standpunkt, dass das Feld der Folklore im Ausmaß der vomAbsterben betroffenen, sich nicht erneuernden Traditionen fortschrei-tend schrumpft. 14 Aus dieser Sicht der Dinge gelangt er zu einer dasForschungsfeld der Volkskunde einengenden Definition, nach wel-cher le folklore gleichgesetzt wird mit dem von ihm postuliertenBegriff civilisation traditionnelle. Diese wird durch drei Charakteris-tika bestimmt: 1. Sie umfaßt sehr archaische Kulturelemente; 2. sieerfährt in keiner Weise eine gelehrte Weitergabe( transmissionsavante), weder durch spezielle professionelle Unterweisung nochmittels Schrift, Gedrucktem oder moderner sprachlicher und bildli-cher Diffusionsprozesse; jegliche intellektuelle Elaboration, doktri-12 In: Revue de l'histoire comparée 6, 1947, S. 129.

13 Varagnac, André: Civilisation traditionelle et genres de vie.(= Science d'au-jourd'hui). Paris: Albin Michel, 1948. 404 Seiten, 1 Karte im Anhang.

14 Cuisenier, Jean, et Martine Segalen: Ethnologie de la France.(= que sais- je?,2307). Paris: Presses Universitaire de France, 1986, S. 11-12.