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Klaus Beitl
ÖZV LIX/ 108
Régionalisme und organisiert in Verbindung mit der Révolution na-tionale des Marschalls Pétain einen Kongress und Ausstellungen.
Die getrennten Wege von André Varagnac und Georges HenriRivière während der Zeit der deutschen Kriegsbesatzung Frankreichsendeten zum Zeitpunkt der Libération im Jahre 1945 mit dem Ab-bruch jeglicher Kontakte zwischen den beiden Männern und einstigenWeggefährten. Ein sinistres Kapitel in der jüngeren Geschichte derfranzösischen Volkskunde, dessen Hintergründe die FachhistorikerinJacqueline Christophe anhand der Dokumente der Archives nationa-les untersucht hat und demnächst in den Akten des Kongresses Dufolklore à l'ethnologie en France et en Europe, 1936–1945( Paris2003) veröffentlichen wird. Sie zeigt auf, dass in dem nach dem Kriegbeim französischen Erziehungsministerium anhängigen Vorver-fahren des Comité d'épuration beide Personen vom Verdacht derKollaboration während der Vichy- Regierung freigesprochen wurden.
In der Folge wird André Varagnac zu Beginn des Jahres 1946 zumDirektor des Musée des Antiquités nationales, des französischenNationalmuseums für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie, in StGermain- en- Laye ernannt. In dieser Position verbleibt er bis zu seinerPensionierung. Ungeachtet dieser endgültigen fachlichen Orientie-rung setzt Varagnac seine Bestrebungen auf dem Gebiet der franzö-sischen Volkskunde fort. 1947 gründet er abermals eine eigeneSociété française de folklore und verteidigt 1947 seine Doktoratsthe-se( Habilitation) mit dem Thema„ Civilisation traditionelle et lanotion géographique de genre de vie“. Fortan lehrt er als Dozent ander École Pratique des Hautes Études, wo er in Seminaren dieTheorien seines Kontinuitätsbegriffs der survivances und seine Kon-zeption der von ihm benannten„, Archéocivilisation“ vermitteln kann.Eine André Varagnac- Personalbibliographie im Anhang diesesBeitrags( Abschnitt V) dokumentiert, wie eine lebhafte und vielseiti-ge publizistische Tätigkeit des Gelehrten im vergangenen Jahrhun-dert sein über sechs Jahrzehnte hinweg sich erstreckendes wissen-schaftliches Wirken begleitet. In welchem Ausmaß Varagnac nichtnur die jeweils aktuellen Fachentwicklungen mitgestaltet und mit-vollzogen hat, sondern auch neue Herausforderungen reflektiert,zeigt beispielsweise seine frühe Stellungnahme für eine künftige, diebislang national geprägten europäischen Volkskunden überwölbendeEthnologia Europaea in Antwort auf den in den frühen 1950er- Jahrenpostulierten politischen Europagedanken.