Aufsatz in einer Zeitschrift 
„Archéocivilisation“ : André Varagnac – nachgelesen : mit einem Anhang: Bibliographie von André Varagnac : Erstellt von Régis Meyran über Vermittlung von Jacqueline Christophe
Einzelbild herunterladen
 

168

Klaus Beitl

ÖZV LIX/ 108

Im Telegrammstil: André Varagnac, Neffe des zu seiner Zeit be-deutenden französischen Sozialisten Marcel Sembat, wurde nochim vorletzten Jahrhundert 1894 geboren; 1983 ist er 89- jähriggestorben. 1923 und 1924 Abschluss seines Studiums an der Sorbon-ne mit dem Lizentiat und Diplom der Études supérieures de Philoso-phie. 1926 bis 1930 Gymnasialprofessor. Anschließend beruflicheFreistellung für weiterführende Studien und Forschungen als Absol-vent der Fächer Prähistorie an der École du Louvre( bei den Profes-soren H. Hubert und Raimond Lantier) und Soziologie bei MarcelMauss an der École Pratique des Hautes Études. Die für die weitereFach- und Berufsorientierung ausschlaggebende Hinwendung zurfranzösischen Volkskunde wird André Varagnac ermöglicht durcheinen Forschungsauftrag der Caisse Nationale des Sciences zur Vor-bereitung einer Doktoratsarbeit bei Prof. M.C. Bouglé: allgemeinüber, Folklore, wie die Fachbezeichnung seinerzeit in Frankreichlautete.

Bereits in den 20er- und 30er- Jahren tritt Varagnac als Organisatorseines Faches markant in Erscheinung. Im Oktober 1928 gründet erzusammen mit Sir James Frazer, dem englischen Autor des GoldenBough", und Lady Frazer die Société du folklore français, derenSekretär er wird. 1930 tritt Varagnac neuerlich als Gründer desregionalen Comité du Folklore champenois hervor, das späterhin mitseinem Vorhaben der schwerpunktmäßigen Aufsammlung und Doku-mentation der traditionellen Volkskultur in der Champagne besondereBedeutung erlangt. Es wurden bis 1938 insgesamt mehr als 700monographische Beiträge publiziert. Weiterhin 1934 Gründung desComité de l'Encyclopédie française, gemeinsam mit dem Historikerder Annales- Schule Lucien Febvre, Professor am Collège de France,und mit Marc Bloch von der seinerzeitigen Commission des Recher-ches collectives( C.R.C.). Diese Kommission hatte vier volkskundli-che kollektive, das ganze französische Territorium abdeckendeFragebogenerhebungen initiiert, deren gesamtes mikroverfilmtesAntwortmaterial heute im Archiv des Mnatp aufbewahrt wird. Durchdie Tätigkeit in dieser Kommission kommt Varagnac mit dem Ethno-

thèque Nationale de France der Bibliographie extraite de: Régis Meyran: ,, Folk-lore ,, genre de vie' et révolution nationale: les revues d'ethnologie et l'ethnologiedans les revues sous le Régime de Vichy( 1940–1944). Rapport pour la Missiondu Patrimoine ethnologique, avril 2002; weiters die auszugsweise BiographieAndré Varagnac( 1894–1983).