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108 (2005) / N.S. 59
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Franz Grieshofer

ÖZV LIX/ 108

Ich erwähne das, weil sich dahinter eine allgemeine museologischeProblematik verbirgt. Für denjenigen, der ein Objekt nicht selbsterworben hat, der den Sammler/ die Sammlerin nicht mehr persönlichkannte, dem der Kontext, aus dem es stammt, fremd ist, für den bleibtdas Objekt zunächst stumm. Und je weiter eine Erwerbung zurückliegt, desto stärker reduziert sich das Objekt auf seine Materialität.Dies trifft auch auf die Sammlung von Eugenie Goldstern zu. Diepositive Seite dabei ist, dass eine größere Distanz eine objektivereBetrachtung ermöglicht.

Michael Haberlandt hatte wohl die engste Beziehung zu EugenieGoldstern. Er war ihr eine Art väterlicher Lehrer, er ermutigte sie zuihren Forschungsunternehmungen, die ganz in seiner Intention lagen.Zusammen mit den Erwerbungen von Rudolf Trebitsch untermauer-ten ihre Sammlungen nämlich den von Michael Haberlandt ange-strebten Anspruch eines Museums für europäische Völkerkunde. SeinAngebot an Eugenie Goldstern zur Mitarbeit am Museum( die wohlnur ehrenamtlich gedacht war), muss sie krankheitshalber ausschla-gen. Wie sich die weitere Beziehung gestaltete, ist nicht bekannt. EineGlückwunschkarte Eugenie Goldsterns an ihren hochverehrten Leh-rer aus dem Jahr 1930 bildet den letzten nachvollziehbaren Kontakt.Michael Haberlandt stirbt zwei Jahre vor der Ermordung EugenieGoldsterns.

Arthur Haberlandt 1924 bis 1945 Direktor am ÖsterreichischenMuseum für Volkskunde- stand in einem ganz anderen Verhältnis zuEugenie Goldstern, wiewohl wir darüber nicht wirklich etwas wissen.Was wir wissen, ist der Lebensweg von Arthur Haberlandt bis hin zumEinsatzleiter im Amt Rosenberg und seine Einstellung gegenüberJuden. Es ist anzunehmen, dass für Eugenie Goldstern damit der Wegzum Museum abgeschnitten war.

Merkwürdig ist, dass sich in der umfangreichen Bibliographie vonLeopold Schmidt kein Stichwort zu Eugenie Goldstern findet. Ob-wohl er ab 1930 im Museum verkehrt, dürfte er Eugenie Goldsternpersönlich nicht gekannt haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg ginges ihm um den Wiederaufbau der wissenschaftlichen Strukturen desFaches und um eine Konsolidierung des Museums. Die SammlungEugenie Goldsterns wurde dabei nicht berücksichtigt. Selbst als ihmder schriftliche Nachlass von Eugenie Goldstern übergeben wird,bleibt dieser verschlossen. Bei der Neuaufstellung der Schausamm-lung, die eine Konzentration auf Österreich mit Einschluss Südtirols