2005, Heft 1
Literatur der Volkskunde
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solchen- bislang selten gegebenen- methodologischen Grundlage entstandder hier anzuzeigende Sammelband österreichischer und slowakischer Hi-storikerInnen und EthnologInnen, der sich mit den Mythen der beidenLänder auf komparative Art und Weise befasst. Sein Titel wird aus denThemen und Begriffen gebildet, die heute bei solchen Arbeiten für diehistorischen und ethnographischen Kulturwissenschaften zentral sind.
Im einleitenden Aufsatz skizziert Hannes Stekl den Begriff„, KollektiveErinnerung" als ein neues Forschungsparadigma und kommentiert bekannteArbeiten von M. Halbwachs, P. Nora, J. und A. Assmann. Er erinnert an dieBedeutung der Ausstellung ,, Mythen der Nationen“ im Deutschen Histori-schen Museum Berlin 1998 und ihre Anregungen für die Erforschung derRolle des Mythos im Leben des neuen, kosmopolitischen Europa, informiertüber das Projekt„ Österreichs Gedächtnisorte" und über die fruchtbareZusammenarbeit zwischen slowakischen und österreichischen Wissen-schaftlerInnen in den letzten Jahren.
In zwölf, zu sechs Kapiteln zusammengefassten, Beiträgen beschäftigensich die österreichischen und slowakischen WissenschaftlerInnen anhandkonkreter Beispiele jeweils ländervergleichend mit der Analyse, Interpreta-tion und Dekonstruktion wichtiger nationaler Mythen. Das Kapitel ,, Grenz-mythen"( G. Kiliánová; P. Melichar) ist dem Phänomen der( Ost-) Grenzegewidmet, die ,, Hauptstadtmythen"( L'. Lipták; W. M. Schwarz) der Bedeu-tung von Bratislava und Wien für die Identitätsbildung der beiden Nationen,die ,, Mythen nationaler Heroen“ befassen sich mit der Mythologisierungzweier Staatsmänner – M. R. Štefánik und K. Renner, die ,, Landschaftsmy-then“ sind im Bild der Alpen und der Tatra verkörpert, die ,, Mythen derNationalspeisen" analysieren die Rolle der Nationalküche für die Konstruk-tion der nationalen Identität, und die beiden abschließenden Artikel bieteneine zusammenfassende Übersicht über die„, Mythen der Nationen“ in derGegenwart. In allen Beiträgen betrachten die AutorInnen ihren Forschungs-gegenstand unter vier Aspekten: erstens befassen sie sich mit der histori-schen Genese bzw. der inhaltlichen und repräsentatorischen Dynamik derjeweiligen Mythen und Symbole, zweitens mit den in Diskurs und Praxisagierenden Gruppen und ihren Orientierungen bzw. Ideologien sowie ihrenInteraktionen; drittens untersuchen sie die Agenturen und Praktiken vonIdentität( Kunst, Wissenschaft, Schulwesen, Feiern, Erinnerungsorte) undviertens fragen sie nach der sozialen Reichweite der Identifikationsangebo-te: Erreichten sie die ganze Gesellschaft, oder beschränkten sie sich aufbestimmte Ausschnitte?
Da die einzelnen AutorInnen des Bandes unterschiedliche fachliche Hin-tergründe haben und aufgrund von Ausbildung und Umfeld auch ver-schiedene Interessen am Gegenstand, unterscheiden sich die einzelnen