2005, Heft 1
,, Scheinasylanten“ und„, Wirtschaftsflüchtlinge“?
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den sich grundlegend von heutigen Migrationsformen. Und drittensist Migration nicht nur ein ökonomischer, sondern auch in hohemMaße ein sozialer Prozess.
Dass Migrationen einschlägig durch familiäre und soziale Aspek-ten mitbestimmt sind, blieb lange hinter den als vorwiegend gedeu-teten ökonomischen Motivationsfaktoren unberücksichtigt. Abermittlerweile spielen familiäre und soziale ,, Netzwerke" 48 in fast allenErklärungsmustern zu Migration eine wichtige Rolle. Und gerade dieundokumentierte Migration ist ohne Berücksichtigung von familiärenund sozialen Mobilitätsfaktoren nicht zu erklären. So wird beispiels-weise die Wahl des Migrationszieles durch familiäre Bindungenmitbeeinflusst und soziale Netzwerke in Form von Bekanntschaften,Schleppernetzwerken, aber auch Hilfsorganisationen im Ankunfts-land bestimmen die Möglichkeiten von Mobilität und Integration mit.Wohnt die Mutter in Wien oder die Schwester in Linz, fungieren dieseals sogenannte„ Brückenköpfe“ 49 und ziehen neue MigrantInnennach. Undokumentierte MigrantInnen kommen daher oft aus densel-ben Herkunftsstaaten, wie die Mehrzahl der regulär anwesendenMigrantInnen.50 Es sei nur am Rande erwähnt, dass die vorher Abge-
beitsbedingungen von Migranten aus Osteuropa in den neuen Bundesländern undBerlin. Frankfurt am Main 1994.
48 De Jong und Gardner legen bei der Erklärung von Migrationsgründen Gewichtauf persönliche Migrationsentscheidungen. Am Beispiel der Wanderungen, aus-gehend von den ländlichen Gebieten der Philippinen, erklärt De Jong, wieinternationale Migrationsentscheidungen, sowie Binnenwanderungen zustandekommen. Vgl. de Jong, Gerald F.: International and Internal Migration DecisionMaking: A Value- Expectancy Based Analytical Framework of Intentions to Movefrom a Rural Philippine Province. In: International Migration Review, Vol. 17,No. 3, S. 470-484. New York 1983; Ders., J. T. Fawcett: Motivations for Migra-tion: An Assessement and a value- expectancy reasearch model. In: Ders., RobertW. Gradner: Migration and decision making. Multidisciplinary approaches tomicrolevel studies in developed and developing countries. New York 1981.49 Die Theorie der„, Neuen Ökonomie der Migration“ des Ökonomen Odek Stark,der Land- Stadt- Wanderungen untersucht hat, betont z.B. den sozialen Aspekt vonWanderungen. Er erklärt, dass nicht das Individuum, sondern seine Familieausschlaggebend sei für die Entscheidung zur Wanderung. Vgl. Stark, Odek: TheMigration of Labour. Cambridge 1991. Ders.: Labour Migration and Risk Aver-sion in Less Developed Countries. In: Journal of Labour Economics Vol. 4( 1986), S. 131-149.
50 Vgl. OECD( Organisation for Economic Co- operation and Development)Sekretariat: Some lessons drawn from recent regularisations of undocumentedforeigners. In: Combating the Employment of Illegal Immigrant Workers.