Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde108 (2005) / N.S. 59Kratzmann, Katerina: „Scheinasylanten“ und „Wirtschaftsflüchtlinge“?

  
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„Scheinasylanten“ und „Wirtschaftsflüchtlinge“? : zur Ausgrenzung undokumentierter MigrantInnen in Österreich
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Katerina Kratzmann

ÖZV LIX/ 108

welche die MigrantInnen anziehen, wozu z.B. ökonomischer Nutzen,Arbeit und bessere Löhne, Frieden etc. gehören. ,, Auf der Mikroebe-ne ist es gemäß den Autoren der neoklassischen Modelle das einzelne,an Gewinnmaximierung orientierte Individuum, das sich aufgrundeines Vergleiches zweier Regionen/ Länder dafür entscheidet, dorthinzu migrieren, wo es die größten Nettovorteile zu erwarten hat." 43 Füretliche Europäer scheint dieses Modell gleichsam logisch nachvoll-ziehbar zu sein und taucht somit in den Erklärungen von undokumen-tierter Migration vielfach auf., From a Eurocentric perspective onemight see a long list of motives for them to come to, us', in the, ElDorado of the European welfare- states." 44 Aber ganz so einfach istes mit den Motiven von undokumentierter Migration nicht.

Erstens kann ökonomisch motivierte Mobilität auf unterschiedli-chen Ebenen stattfinden, es mag gewisse gemeinsame Nenner geben,aber es gibt viele unterschiedliche Modelle von Wanderungen. Gun-nar Malmberg hat beispielsweise sehr schön nachvollzogen, wie sichheutzutage die alten Kategorisierungen der Nord- Süd- Migration undOst- West- Migration zunehmend differenzieren in Binnenmigration,nicht- permanente und permanente internationale Migration, wobeiinnerhalb dieser Kategorien wiederum die Zeit- Raum- Mobilität di-verse Migrationen voneinander unterscheidet. 45 Zweitens ist zu be-rücksichtigen, dass sich Migrationsformen und ihre Gründe wesent-lich über die historischen Perioden verändert haben. Die Migrations-formen vor dem Ersten Weltkrieg, welche weitestgehend von Europaausgingen und die neue Welt Nord- und Südamerikas zum Ziel hatte*,oder jene nach dem Zweiten Weltkrieg, die mit der Anwerbung vonGastarbeitern der klassischen Arbeitsmigration dienten47, unterschei-43 Parnreiter, Christof: Theorien und Forschungsansätze zu Migration. In: Histori-sche Sozialkunde, Bd. 17: Internationale Entwicklung. Frankfurt am Main- Wien2000, S. 25-52, hier S. 27.

44 Malmberg, Gunnar: Time and Space in International Migration. In: Hammer,Tomas, Grete Brochmann, Kristof Tamas, Thomas Faist: International Migration,Immobility and Development. Multidisciplinary Perspectives. Oxford 1997,S. 21-48, hier S. 21.

45 Vgl. Malmberg( wie Anm. 44), S. 21–48.

46 Vgl. Diner, Hasia R.: Hungering for America. Italien, Irish, and Jewish foodwaysin the age of migration. Cambridge, Mass. 2002. Und zur Geschichte von,, illegalen" Migrantinnen in den USA vgl. Ngai, Mae M.: Impossible Subjects:illegal Aliens and the making of America. Princeton 2004.

47 Vgl. Castles, Stephen: Immigrant workers and class structure in Western Europe.London 1973; Marburger, Helga( Hg.): Ost- West- Migration. Lebens- und Ar-