Jahrgang 
107 (2004) / N.S. 58
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Chronik der Volkskunde

ÖZV LVIII/ 107

dürfte wohl auch hin und wieder die kollegiale Toleranz als gegeben anneh-men und sich innerhalb eines Diskussionsrahmens um Differenzierung,Bitten um deutlichere Darstellung, sachliche Ergänzung oder auch Wider-spruch bemühen. Die grundsätzliche, bisweilen ausholende oder auch vehe-mente Diskussion, die etwa in institutseigenen Foren wie Doktoranden- oderHabilitandenkolloquia gang und gäbe und in vielen Fällen auch fruchtbarist, könnte auch auf internationaler Ebene Früchte tragen- sofern man eingemeinsames Ziel vor Augen hat. Reflexivität auf wissenschaftliche Frage-stellungen und Praxis im kulturellen Vergleich, zu der eine Konferenz dieserNatur geradezu einlädt, könnte, in einer Folgepublikation aus den z.T. sehrdichten Beiträgen, mit Sicherheit herausgearbeitet werden.

Was sind die Ingredienzen der Europäisierung( und Globalisierung)?das war der rote Faden, der durch die Tagung lief. Zum einen wurden diePraxen herausgearbeitet, die es zu dokumentieren gilt: neue Diskurse, For-mierung von Minoritäten, regionale Selbstdarstellungen und neue Grenzzie-hungen. Zum andern galt es, die theoretischen Ansprüche an unser Fach, dieder Europäisierungsprozess stellt, zu skizzieren. Bernhard Tschofen( Wien)überprüfte hierzu die Tauglichkeit ethnologisch- ethnographischer Konzepteund Fragestellungen, Birgitta Svensson( Stockholm) hinterfragte den Be-griff der Zugehörigkeit in Zeiten der ,, Heritage-Zuschreibungen einerseitsund den Willen zur Selbstwahl andererseits, und Pertti Anttonen( Helsinki)überdachte das alte Begriffspaar, Tradition und Moderne" aus nordisch-neuer Perspektive.

Dass die Europäisierung voranschreitet, trotz aller Erwähnungen vonWiderstand, Rückzügen und Verinselungen, ist evident: Auch widerständi-ges Verhalten zeugt von Veränderung. Wenn historische Konzepte zu Euro-pa aus dem Mottenschrank geholt und als potentielles Kulturerbe oder,, heritage" neu anprobiert werden, so zeigt sich auch darin die Ausein-andersetzung mit dem Imaginarium Europas, sowohl in den Medien wie imAlltagsdiskurs. Neue Erzählungen der Region, bis hin zur ,, Blauen Banane"der Innovationsregionen von Spanien bis Baden Württemberg( ReinhardJohler, Tübingen), fordern die kulturelle( und kulturtheoretische) Auseinan-dersetzung mit Wandel. Neue transnational intendierte Konzepte- wie dievon Löfgren vorgestellte ,, experience economy- durchlaufen umgekehrteinen Übersetzungs- und dadurch Nationalisierungsprozess.

Aus den vielen Impulsen, die sich aus den Stichwörtern ,, Region, Raumund Kultur sowie dem Titelschlagwort der geleiteten oder verwalteten( managed) Identität ergaben, seien jetzt einige Gedankengänge ausgeführt.In der Planung Europas und damit der Europäisierung werden Region,Raum und Kultur als konkrete Ressourcen verstanden und eingesetzt. Dieunreflektierte Selbstverständlichkeit einer regionalen Befindlichkeit oder