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Mischmasch? : Kulturtransfer und seine Folgen
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2004, Heft 4

Mischmasch? Kulturtransfer und seine Folgen

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Formen des wissenschaftlichen Diskurses, schließlich durch die mo-dernen Massenmedien.

Initiiert werden diese Transformationsvorgänge vom Landes-herrn, wie beim Import des Modells Englischer Garten, von Sozial-reformern, wie beim Import des Modells Gartenstadt, sowie voneinem breiten Spektrum persönlich oder beruflich von dem einen oderanderen Themenbereich Betroffener, dies insgesamt aus ökonomi-schen, politischen, sozialen und kulturellen Motiven, welche von Fallzu Fall in einem unterschiedlichen Mischungsverhältnis zur Wirkunggelangen. Und reagiert wird auf die alltagskulturellen Wandlungs-prozesse teils mit einer Haltung der Akzeptanz, bisweilen ist ,, sogarfreundlicher Empfang erkennbar, teils mit einer Haltung ,, des Wi-derstands, um die kulturelle Grenze gegen die Invasion zu ver-teidigen. Der Englische Garten und die mediterranen Reiseziele,neue Erziehungs-, Geselligkeits-, Ernährungs- und Bekleidungsfor-men werden von der jeweiligen gesellschaftlichen Elite wie von derBevölkerungsmehrheit freundlich empfangen und angenommen; derGartenstadt, einigen Sportarten, bestimmten Sprachpraktiken sowieMusikstilen hingegen begegnet man mit zum Teil heftiger Ablehnungseitens der Terraingesellschaften und der Hausbesitzer, der Turner undTurnlehrer, der sprachpuristischen Pädagogen sowie einer quer durchdie Bevölkerung gehenden Mélange aus Menschen, welche angesichtslanghaariger Jungmusikanten kulturkritische Zweifel hegen, insgesamtalso einer Ablehnung, welche allerdings in mehreren Fällen zu einergewissermaßen verspäteten oder nachträglichen Akzeptanz der umstrit-tenen kulturellen Objektivation führt: Die Gartenstadt findet in deutlichmodifizierter Form Einlaß in die deutsche Siedlungsbaupraxis, dasFußballspielen oder der Stadionbesuch werden ebenso mehrheitsfähigwie Produktion, Distribution oder Rezeption von Beatmusik.

Im Zusammenhang mit den zunächst auf Widerstand treffendenBereichen alltagskultureller Praktiken spricht der britische HistorikerPeter Burke von Bikulturalität oder von Segregation, wozu ernäher ausführt:

,, In diesem Falle verläuft die Trennlinie nicht zwischen dem Selbst unddem Anderen, sondern innerhalb der heimischen Kultur, wobei der Ge-

6 Vgl. Kroker( wie Anm. 3), S. 128–131.

7 Burke, Peter: Kultureller Austausch. In: ders.: Kultureller Austausch. Frankfurtam Main 2000, S. 9-40; hier S. 28.

8 Burke( wie Anm. 7), S. 31.