Jahrgang 
107 (2004) / N.S. 58
Einzelbild herunterladen
 

2004, Heft 3

Chronik der Volkskunde

249

Thomas Winkelmann schloß mit einer Diskursanalyse über Schweden an,das in den 1960er und 1970er Jahren in Deutschland als Projektionsflächefür politische und soziale Reformen benutzt wurde. Als Quelle dienten ihmArtikel aus deutschen Zeitungen dieser Zeit, in denen Schweden zum einenals Symbol für Gesundheit, soziale Absicherung, Fortschritt und Emanzipa-tion gefeiert wurde, in denen aber andererseits auch die Gegner diesesModells zu Wort kamen, die sich mit der Frage beschäftigten, ob nichtKindern, deren Mütter berufstätig sind, Verwahrlosung droht. Winkelmannging auch darauf ein, wie Schweden in deutschen Wahlkampagnen von denSozialdemokraten als politisches Gegenbild gegen die konservative Parteiinstrumentalisiert wurde.

Von einer abschließenden Diskussion von Thesen und Beiträgen konntefreilich nicht die Rede sein, statt dessen standen dezidierte Fragen dieFeldforschung und Methodik betreffend im Mittelpunkt.( GS)

Zu Beginn des dritten und letzten Kongreßtages standen die Plenarvorträgevon Thomas Hengartner und Peter Niedermüller auf dem Programm. Hen-gartner hatte sich die, Kulturanalyse der Stadtforschung vorgenommenund warnte vor einem allzu engen Verständnis einer Stadtforschung, die zumeinen auf Metropolen und Großstädte ausgerichtet ist, zum anderen einensehr selektiven Blick auf das Besondere in der Stadt, in den Stadtviertelnkultiviert. ,, Urbanität aber sei nicht auf Städte beschränkt. Freilich erwiessich gerade auch an Hengartners Einlassungen, wie uns diese Denkgewohn-heit der Zuordnung mit gewisser Hartnäckigkeit verfolgt.

Der kritische Blick auf die Realität des Faches dominierte auch denVortrag Niedermüllers. Der Situation multipler Modernitäten in der Gegen-wart müsse man zumal im Ost- West- Vergleich und im Umgang mit demThema Sozialismus mit der Entwicklung einer erweiterten und differenzier-teren Begrifflichkeit von Moderne, Modernität und Modernisierung Rech-nung tragen, die nicht mehr nur eine, die eine Moderne zum Deutungs-horizont habe.( KL)

Mit Panel 7 hatte man es sich zur Aufgabe gemacht ,,, Wissenschaft als Kultur-betrieb"' zu untersuchen. In einem lebendigen und interessanten Beitrag hinter-fragte Helmuth Berking die Privilegierung spezifischer Begriffe und Zeitbilderwie Risiko-, Kultur- oder Arbeitsgesellschaft. Er nahm die Pluralisierung derGesellschaftsbilder zum Anlaß, um nach den Bedingungen zu fragen, unterdenen die Änderung von Leitsemantiken aussichtsreich sein kann.

Lutz Musner referierte zur eigentümlichen Vorliebe einzelner Kulturwis-senschafter für Medienglanz und öffentliche Zurschaustellung und stellte indiesem Zusammenhang die Frage nach der Reichweite der Thesen von